Alles neu auf dem Domplatz: Salzburg baut mit Lars Eidinger den Jedermann um

Das Hofmannsthal-Stück wird bei den Festspielen ab 17. Juli nun doch in einer völlig neuen Inszenierung zu sehen sein.

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Die Chemie passt, die Bekleidung ist jetzt schon farblich abgestimmt. Buhlschaft Verena Altenberger, Jedermann Lars Eidinger, beide neu hier.
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Von Markus Schramek

Salzburg – Die Salzburger Festspiele verstehen sich aufs Inszenieren, selbst beim Pressetermin im Vorfeld der „Jedermann“-Premiere. Schauspielchefin Bettina Hering stellt das gesamte Ensemble vor – und die beiden präsumtiven Hauptpersonen ganz ans Ende. Kamerateams und Schreiberlinge harren pflichtschuldigst bei zunehmender Hitze aus.

Et voilà: Jedermann und Buhlschaft des Jahres 2021, Lars Eidinger und Verena Altenberger. Ein Duo, heute ganz in Schwarz, beider guten Laune hätte etwas Farbe durchaus entsprochen. Der Berliner Eidinger, mit seinen 45 Jahren eine Größe in Theater, Film und als Szene-Dj, folgt auf den Tiroler Tobias Moretti, der dem sterbenden Schnösel Jedermann vier Sommer lang Stimme und Ausdruck verliehen hatte.

Eidinger ist der 20. Jedermann-Darsteller – erst, könnte man anmerken. Denn die Salzburger Festspiele wurden 2020 schon 100 Jahre alt.

Die Rolle von Jedermanns Angebeteter vulgo Buhlschaft war zuletzt eine Art Wanderpokal. Auf Stefanie Reinsperger (2017/18) folgte Valery Tscheplanowa (2019) und im Vorjahr Caroline Peters.

2021 ist die „Buhle“ schon wieder umbesetzt. Verena Altenberger (33) gibt am 17. Juli auf dem Domplatz ihr „Buhlschaft“-Debüt, als erste Salzburgerin in dieser Rolle. 2017 wurde sie für ihren Part als drogensüchtige Mutter in Adrian Goigingers „Die beste aller Welten“ hoch gelobt und mehrfach ausgezeichnet.

Den Ist-Stand der Proben apostrophierte Eidinger knapp mit „gut“, um dann die perfekte Chemie zu Altenberger ausgiebig und keinen Vergleich scheuend zu würdigen: „Im besten Fall ist das ein Miteinander wie bei der Sexualität.“ Altenberger legte Wert auf die Feststellung, dass beide sich auf Augenhöhe bewegen, trotz ihres gegenüber dem Jedermann sehr geringen Wortanteils (50 Verse).

Modefragen stellen sich alljährlich beim Stichwort Buhlschaft. Doch in welcher Aufmaschelung Altenberger zu erleben sein wird, bleibt noch bis nächste Woche geheim. Altenbergers Kurzhaarfrisur, das Resultat einer Rolle als krebskranke Frau, wurde ebenfalls zum Thema, was die Darstellerin, die ihre Mutter durch Krebs verloren hat, verwundert bzw. amüsiert.

Spielpartner Eidinger lauschte indessen den Mittagsglocken, fühlte sich gestört, begann dann aber, aus dem „Jedermann“ zu zitieren. Der Mann hat Humor. Launig erzählte Eidinger vom Vorbehalten gegenüber dem „Jedermann“ in deutschen Landen. Dort würde das Stück in einer Liga mit der TV-Schmonzette „Das Traumschiff“ gehandelt: Wer da mitwirke, „könne den Beruf gleich an den Nagel hängen“. Nach erfolgtem Textstudium hält Eidinger Hugo von Hofmannsthals Vorlage für schlichtweg grandios: „Der Stoff steht selbst Shakespeare um nichts nach.“

Lob erhielt aber auch Eidinger – und zwar von Regisseur Michael Sturminger. Für den ist Eidinger „einer der außergewöhnlichsten Schauspieler, eine Challenge und Freude“. Rund um den Deutschen baut Sturminger daher keine bloße „Jedermann“-Wiederaufnahme, wie es bis zuletzt von den Festspielen kommuniziert wurde (offenbar aufgrund der lange unsicheren Corona-Lage). „Der Jedermann 2021 ist eine komplette Neuinszenierung“, unterstreicht Sturminger. Das heißt auch: neues, kostengünstig einfaches Bühnenbild, neue Musik von Wolfgang Mitterer.

In den Originaltext werde diesmal nicht eingegriffen. Die Inszenierung sei nicht historisch, aber auch nicht modernistisch wie zuletzt, möglicherweise sogar etwas provokant bis gewagt. Man darf gespannt sein.


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