Island testet Viertagewoche mit Erfolg: Produktiver mit weniger Arbeitszeit

Island testet die Viertagewoche: Testpersonen, Dienstgeber und Gewerkschaften zeigen sich begeistert. Die Debatte flammt auch immer wieder in Österreich auf.

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Die Stadt Reykjavík ließ die Wochenarbeitszeit verkürzen, die Produktivität der Mitarbeiter erhöhte sich.
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Reykjavík, Wien – Island galt als Paradebeispiel für lange Arbeitszeiten – mit all ihren Schattenseiten, wie Burnout oder wenig Zeit für die Familie. In einer 2018 veröffentlichten Statistik der OECD befand sich Island noch in den Top Ten der Länder, in denen die Bevölkerung am meisten arbeitet. Dann wurde ein Feldversuch gestartet: Die Viertagewoche wurde über Jahre in zwei umfassenden Versuchen getestet. Der Forschungsbericht dazu liegt nun vor. Das Projekt ist laut Nachrichtenmagazin Spiegel eine „Erfolgsgeschichte“.

So hätten sich die Work-Life-Balance sowie das Wohlbefinden der teilnehmenden Personen verbessert, während sich deren Produktivität bei verkürzter Arbeitszeit und gleich bleibender Bezahlung nicht verschlechterte.

Insgesamt nahmen mit über 2500 Beteiligten immerhin 1,3 Prozent der isländischen Bevölkerung an den Versuchen, die von 2015 bis 2019 durchgeführt wurden, teil. Die Wochenarbeitszeit wurde bei den meisten von 40 Stunden auf 35 oder 36 Stunden reduziert. In die Wege geleitet wurde der Versuch von der Stadt Reykjavík und der isländischen Regierung, begleitet wurde die Studie vom britischen Thinktank Autonomy und der isländischen Gesellschaft für nachhaltige Demokratie. Neben klassischen „Nine-to-five-Jobs“ wurden auch Personen mit Schichtdiensten integriert. Die Arbeitszeitverkürzung wurde nicht nur in Büros, sondern auch in Kindergärten, sozialen Einrichtungen und Spitälern durchgeführt.

Forscher sind von den Ergebnissen begeistert. So ist die Produktivität der Teilnehmer laut Bericht gleichbleibend gewesen oder gar gestiegen. Das generelle Wohlbefinden habe sich gesteigert. Es wurde von weniger Stress und einem geringeren Risiko für Burnout berichtet. Darüber hinaus konnten sich auch Arbeitgeber mit dem Modell anfreunden – das zeigte sich etwa anhand neu verhandelter Dienstverträge durch die isländischen Gewerkschaften. Auch in anderen Ländern wird die Viertagewoche bereits ausprobiert. So hat die spanische Regierung einem Vorschlag der Linkspartei Más País zugestimmt, in einigen Unternehmen soll auf eine kürzere Arbeitswoche umgestellt werden. Auch im arbeitswütigen Japan werden Unternehmen offenbar neuerdings aufgerufen, eine Viertagewoche anzudenken.

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Auch in Österreich gibt es immer wieder Debatten um eine Arbeitszeitverkürzung, angestoßen zuletzt etwa von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Die Wirtschaftsforschungsinstitute WIFO und IHS sahen den Vorschlag jedoch kritisch. Möglich ist sie in Österreich jedoch bereits: Bei einer Viertagewoche wird allerdings die volle Arbeitszeit von 40 Stunden in nur vier Tagen absolviert. (ver)


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