„Black Widow" startet: Eine schwarze Witwe gegen das Patriarchat

Regisseurin Cate Shortland erzählt im Marvel-Film „Black Widow“ eine actionreiche Familiengeschichte mit Scarlett Johansson.

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Scarlett Johansson (l.) und Florence Pugh kämpfen als zwei ungleiche Schwestern und schwarze Witwen auch gegen ihre Vergangenheit.
© imago

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Bevor es vorwärts geht, schaut das Marvel Cinematic Universe noch einmal zurück. Denn „Black Widow“, der heute als erster post-pandemischer Marvel-Blockbuster im Kino startet, ist ein Rückblick. Wer die sogenannte Marvel Infinity Saga bis zum vorläufigen Endgame (2019) verfolgte, weiß warum. Nun bekommt also ein Kernmitglied der Avengers ihre eigene Origin Story – und die ist reichlich actionreich. Im bunt-begabten Avengers-Ensemble geht oft unter, dass auch normalbegabte Menschen Helden sein können. Natasha Romanoff, wie die Black Widow mit bürgerlich-sowjetischem Namen heißt, ist eine davon.

Im Film der gefeierten Indie-Regisseurin Cate Shortland begegnen wir ihr als Kind in der idyllischen Vorstadt von Ohio – ein amerikanisches Paradies für ihre sowjetische Undercover-Agenten-Familie. Nach dem Kindheits-Prolog ist die erwachsene Natasha Romanoff, so wie wir sie als Scarlett Johansson kennen, auf der Flucht vor sich selbst und dem Civil War der Avengers (2016). Erst ein geheimnisvoller Koffer voll roter Phiolen und eine seltsame Figur im Kampfanzug, die danach sucht, bringt diese Action-Episode in der großen Weltrettungsserie in Gang.

📽️ Video | Trailer zu „Black Widow"

Ein gar nicht sanftes Wiedersehen mit der kleinen Adoptivschwester aus Sowjet-Zeiten und eine Befreiung des Agenten-Vaters aus dem sibirischen Gulag später ist die Pseudo-Familie auf der Farm der Wissenschafter-Mutter wieder vereint. Der legendäre „Red Room“ und sein Chef Dreykov sollen aufgehalten werden. Dort wurden und werden die schwarzen Witwen schon als Kinder zu Elite-Agentinnen gedrillt, mittels Hysterektomie sterilisiert und chemisch willenlos gemacht – eine etwas überdeutliche Metapher für das Patriarchat, grausam-grauslig personifiziert von Ray Winstone.

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🎬 Info

Black Widow: Ab Donnerstag, 8. Juli im Kino oder ab 9. Juli kostenpflichtig auf Disney+

Außerdem zieht sich die Familie diesmal als Grundthema durch das ansonsten überaus actionreiche Agenten-Abenteuer. Natasha muss sich zwischen Troubles mit ihrer Avengers-Wahlfamilie und ihrer entfremdeten und wiedergefundenen Kindheits-Adoptivfamilie fragen, was Familie ausmacht. Vater Alexei (David Harbour) vermischt die familiäre Zuneigung mit der Nostalgie für seine beste Zeit als Sowjet-Supersoldat Red Guardian – ein willkommener ironisch-komödiantischer Faktor im ansonsten recht harten Film. Die Mutter Melina (Rachel Weisz) als moralisch undurchsichtigere Wissenschafterin kommt etwas zu kurz. Shooting-Star Florence Pugh dagegen spielt als abgebrühte Schwester Yelena Belova einfach nur großartig auf.

Nicht von ungefähr flimmert in „Black Widow“ mit seinen ganzen Post-Sowjet-Klischees an einer Stelle der James-Bond-Streifen „Moonraker“ über den Fernseher. Als erste Allein-Regisseurin eines Marvel-Films überhaupt inszeniert Cate Shortland „Black Widow“ als einen durchwegs flotten, bis hin zum luftigen Finale angenehm überdimensionierten, wenn auch nicht sehr überraschenden Agentinnen-Actioner.


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