Mörder nach 26 Jahren verurteilt: Lebenslange Haft für 71-Jährigen

Es ist der 14. Juli 1995: Eine 35-jährige Frau wird in Sindelfingen ermordet. Der mutmaßliche Täter wird zwar gefunden, allerdings können die Ermittler ihn nicht überführen. Erst im vergangenen Jahr gelingt in dem Fall anhand archivierter DNA-Spuren der Durchbruch.

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Archivierte DNA-Spuren überführten den 71-jährigen Täter.
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Stuttgart – Das Stuttgarter Landgericht hat einen 71-jährigen Mann wegen eines mittlerweile 26 Jahre zurückliegenden Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die große Schwurgerichtskammer war nach Angaben eines Gerichtssprechers davon überzeugt, dass der Mann im Juli 1995 eine ihm unbekannte damals 35-Jährige in Sindelfingen mit einem Messer heimtückisch erstochen hatte.

Die Kammer folgte mit ihrem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung des Angeklagten hatte einen Freispruch beantragt. Die Familie des Opfers hatte als Nebenkläger die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert, um eine vorzeitige Haftentlassung deutlich zu erschweren. Dem folgte das Gericht aber nicht.

Die Frau war am 14. Juli 1995 auf dem Heimweg von ihrer Arbeit überfallen worden. Eine Sonderkommission ermittelte monatelang ohne Erfolg. Der nun Verurteilte wurde bereits kurz nach der Tat überprüft, da sein Auto in der Nähe des Tatorts gesichtet wurde. Ein Tatverdacht ließ sich jedoch nicht erhärten. Über den Fall wurde damals auch in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst" berichtet.

Der Durchbruch im Fall gelang den Ermittlern im Februar 2020: Der mutmaßliche Täter konnte anhand archivierter DNA-Spuren bei einer Routineüberprüfung des Falls durch ein Speziallabor des Landeskriminalamts identifiziert werden. Er wurde in der Zwischenzeit wegen anderer Gewalttaten verurteilt, sodass den Ermittlern seine DNA zum Abgleich zur Verfügung stand. Der Prozess begann im September. (dpa)


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