Gefürchtete Killer-Roboter sind längst im Einsatz

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Türkische Drohne vom Typ Bayraktar TB2 in Nordzypern. Drohnen dieses Typs sollen auch in Libyen zum Einsatz gekommen sein.
© AFP/Bebek

Von Floo Weißmann

Ankara – Während Österreich und andere Staaten sich noch um ein internationales Verbot von so genannten Killer-Robotern bemühen, sind Waffensysteme, die autonom operieren können, längst auf den Schlachtfeldern im Einsatz. „Die Debatte orientiert sich noch immer sehr an der Zukunft“, sagte der dänische Experte Ingvild Bode der Washington Post. „Wir sollten (aber) viel genauer hinschauen, was bereits vor sich geht.“

In der Praxis geht es vor allem um Drohnen, die mithilfe künstlicher Intelligenz selbstständig Ziele identifizieren und angreifen können. Weil diese Drohnen auch ferngesteuert werden können, ist im Einzelfall kaum feststellbar, welche Entscheidungen sie autonom getroffen haben.

Im heurigen März schreckte ein Bericht von UNO-Experten die Fachszene auf. Der Bericht legte nahe, dass türkische Drohnen in Libyen selbstständig die Truppen des abtrünnigen Generals Haftar verfolgt haben. Wenn das stimmt, dann wäre das der erste dokumentierte Einsatz von Killer-Robotern.

Die Türkei und die türkische Herstellerfirma haben einen autonomen Betrieb dementiert. Fest steht aber, dass sich die Türkei in den vergangenen Jahren zur Drohnen-Großmacht gemausert hat und diese Systeme auch im Krieg einsetzt. Intelligente türkische Drohnen kamen in Syrien und im jüngsten Kaukasus-Krieg zum Einsatz, wo Aserbeidschan mit türkischer Hilfe gegen Armenien gewann. Der international wenig beachtete Kriegsschauplatz in Libyen wäre geeignet, die nächste Stufe zu testen.

Aber auch Haftars Truppen setzten Kampfdrohnen ein, und zwar ein chinesisches Modell, das von den Vereinigten Arabischen Emiraten zur Verfügung gestellt wurde. Der Iran konnte mithilfe eigener Drohnen den Krieg im Jemen zugunsten der verbündeten Houthi-Rebellen drehen. Und auch die USA setzten beim Attentat auf den Chef der iranischen Revolutionsgarden eine Drohne ein.

Kampfdrohnen sind längst zu entscheidenden Kriegswaffen geworden – was auch erklärt, warum die wichtigsten Militärmächte von einem Verbot von Killer-Robotern nichts wissen wollen. Schon jene Systeme, die heute im Einsatz sind, können theoretisch autonom operieren. Und sie werden in rasantem Tempo weiterentwickelt.


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