Gerüstet für den Fall des Unfalls: Was passiert, wenn es kracht

Jeder hofft, dass es nie kracht. Vor der Reise mit dem Auto sollte man aber den Ernstfall mit bedenken.

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Ein zweisprachiger Unfallbericht samt Übersetzungshilfe erleichtert die Schadensregulierung.
© iStock/tommaso79

Von Elke Ruß

Mehr Spielraum bei Gepäck, Reisezeit und Stopps, mehr Flexibilität am Zielort: Es gibt gute Gründe, mit dem Auto in den Urlaub zu fahren. Natürlich hofft jeder auf eine sichere Reise. Dennoch: Ein Verkehrsunfall ist schnell passiert. Selbst wenn sich dabei „nur“ der Schreck und Verständigungsschwierigkeiten paaren, wird es rasch kompliziert. Ein wenig Vorbereitung ist im Ernstfall viel wert.

Versicherungskarte: Die Grüne Karte ist jetzt weiß, damit man sie auch selbst ausdrucken kann. In vielen Ländern muss man sie nicht mehr mitführen. Trotzdem rät Ursula Muigg, die Leiterin der Rechtsabteilung des ÖAMTC Tirol, auf jeden Fall zur Mitnahme: Die „Internationale Versicherungskarte für den Kraftverkehr“ ist der Nachweis über die Haftpflichtversicherung und kann die Schadensregulierung vereinfachen, weil damit wichtige Informationen (Fahrzeughalter, Polizze) griffbereit sind.

Europäischer Unfallbericht: Er sollte immer dabei sein, am besten zweisprachig (Deutsch + Sprache des Reiselandes). Dazu gibt es Übersetzungshilfen mit gängigen Unfallsituationen zum Herunterladen. Der Bericht wird meist doppelt ausgefüllt. Zulässig ist laut Muigg auch Einmal-Ausfüllen und Abfotografieren. Praktisch: ein Exemplar mit Durchschlag, das man z. B. beim ÖAMTC holen kann.

Notrufnummern der zu bereisenden Länder noch daheim im Handy speichern. Zumindest den Euronotruf 112.

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Reisekaskoversicherung: Ein Kaskoschutz für die Dauer der Reise ist ratsam. Besonders, wenn man für die Fahrt z. B. den größeren Wagen der Eltern oder eines Freundes ausborgt. Eine befristete Reisekaskoversicherung ist Muigg zufolge auch für ältere Gefährte möglich, die sonst keinen Kaskoschutz mehr bekämen.

Unfallstelle absichern und helfen bzw. Hilfe rufen: Das sind – wie daheim – die obersten Gebote. „Wenn keine Person und kein Tier verletzt ist, muss man nicht die Polizei rufen“, erklärt Muigg. Holen sollte man sie allerdings bei einem Schaden an Sachen Dritter wie einem Verkehrszeichen oder Zaun, wenn der Besitzer nicht greifbar ist. „Auch wenn die Verständigung mit dem Unfallgegner nicht klappt oder wenn man sich genötigt fühlt, sollte man darauf bestehen, dass die Polizei kommt.“

Fotos der Unfallwagen in Endlage von Kennzeichen, Schäden und Bremsspuren machen, möglichst viele Daten sichern, Personalien von Zeugen notieren: Das erleichtert die Rekonstruktion des Unfallhergangs und ist wichtig. „Aber Sicherheit geht auch vor Beweissicherung, man darf sich dabei nicht selbst gefährden“, mahnt Muigg.

Vorsicht mit der Unterschrift: Den Unfallbericht sollen beide Seiten unterfertigen, „man soll aber nichts unterschreiben, das man nicht versteht“, betont die Expertin. Auch vor der Polizei nicht. „Die Unterschrift beim Protokoll darf man verweigern, nur den Datenaustausch nicht!“ Zudem dürfe man kein Schuldeingeständnis machen.

Versicherungs-Check: Für jede ausländische Versicherung gibt es eine österreichische Korrespondenzversicherung. Mit dem Kennzeichen des Unfallgegners kann man über den Verband der Versicherer Österreichs (VVO) erheben, welche Assekuranz für die Schadensregulierung zuständig ist.

Vorsicht bei diensteifrigen Helfern, die anbieten, das Auto in eine Werkstatt zu schleppen. Ihr Angebot könnte einen kriminellen Hintergrund haben. Werkstatt bzw. Schadensbegutachtungsstelle bei der Polizei erfragen. Bei einem Unfall mit einem Mietwagen informiert man sofort die Mietwagenfirma. Sie entscheidet, was zu tun ist.

Mögliche Mitschuld: Binnen einer Woche muss die Meldung an die eigene Haftpflichtversicherung erfolgen. Bei Bedarf verständigt man die Rechtsschutzversicherung.


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