Erler Festspielhaus: Die Kinder sind der Funken Hoffnung

Herrliche Stimmen, eine spannende Inszenierung und ein grandioser Dirigent – Triumph für die Erler „Königskinder“.

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Nur die Kinder der Stadt erkennen die wahren Königskinder, die trotzdem sterben müssen.
© Xiomara Bender

Von Wolfgang Otter

Erl – Sopran Karen Vuong und Tenor Gerard Schneider gingen am Freitagabend im wahrsten Sinn des Wortes auf der Bühne des Erler Festspielhauses baden. Nein – nicht weil sie schlecht sangen oder spielten! Sondern weil es Matthew Wild in seiner Inszenierung der „Königskinder“ von ihnen verlangte.

Die beiden plantschten in einem Becken verliebt und unschuldig, von den Leiden und dem Schlechten der Welt unwissend. Doch das sollte sich bald ändern, das Drama seinen Lauf nehmen. Daran änderte auch die Mahnung von Katharina Magiera als Hexe nichts. Die übrigens hexenuntypisch gar nicht so böse ist. Eher eine weise Frau. Trotzdem muss sie brennen. Märchen können grausam sein und das Libretto von Engelbert Humperdinck nach dem Märchendrama von Elsa Bernstein-Porges schenkt uns nicht einmal ein Happy End.

Die Königskinder sind dem Tode geweiht, weil die Menschen auf der Suche nach einem Führer das reine Herz der beiden nicht erkennen, sich von Äußerlichkeiten leiten und verleiten lassen. Gänsemagd und Königssohn bleibt nur die Liebe zueinander und ein reines Herz. Nur die Kinder der Stadt sehen die Wahrheit – sie sind der Funken Hoffnung in dieser so bitterbösen und so realistischen Geschichte.

Engelbert Humperdinck war vom Stoff begeistert, als er ihn nach seiner schweren Schaffenskrise in die Hand bekam. Ursprünglich war es als Melodram mit Musik angelegt, in dem der glühende Wagnerianer mit Sprechen auf Tonhöhe eine gewagte Erneuerung einführte. Letztlich wurde daraus doch eine auskomponierte Oper, uraufgeführt 1910, jedoch konnte er damit nicht an den weltweiten Erfolg von „Hänsel und Gretel“ anschließen. Auch heute ist es ein eher selten gezeigtes Werk. Zu Unrecht, denn Humperdincks Musik war seit „Hänsel und Gretel“ gereift und treibt hochdramatisch das Geschehen auf der Bühne an.

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Damit diese Musik wirkt, braucht es ein fähiges Ensemble zur Umsetzung. Das ist in Erl bis hin zur kleinsten Rolle gegeben. Karen Vuong als Gänsemagd vermochte bei der Premiere ihren Sopran strahlen zu lassen und damit zu berühren. Gerard Schneider gab einen famosen Königssohn mit eindrucksvoller Tenorstimme, Katharina Magiera eine fulminante Hexe und Iain MacNeil riss als Spielmann mit (einen Sonderapplaus!). Der Rest des Ensembles reihte sich mit seinen gelungenen Leistungen ein.

Es benötigt auch einen Dirigenten, der das Geschehen zusammenzuhalten und zu gestalten vermag. Und das wiederum ist Karsten Januschke, der mit klug gewählten Tempi auf Orchestermusiker traf, die die Vorgaben umzusetzen vermochten. Ohne Tadel auch die Bläser, die bei Humperdinck besonders gefordert sind.

Matthew Wild versetzt in seiner Inszenierung vor dem Bühnenbild von Herbert Murauer das Geschehen in modernere Zeiten und bringt da und dort märchenhafte Anspielungen, wie den verlorenen Schuh des Prinzen. Das Hexenhäuschen ist ein Wohnwagen, der Wirt in der Stadt betreibt einen Würstelstand und der zweite Akt spielt vor einer Tribüne, die samt riesengroßem „Willkommen“-Schild und den Uniformen der Kinder an Aufmärsche in anderen Zeiten erinnert. Doch Wild verfremdet – trotz einiger Freiheiten, die konträr zum Text stehen – damit die Oper nicht. Ganz im Gegenteil, Bühnenbild und Inszenierung vertiefen Geschehen und Musik, machen sie wuchtiger und noch eindrucksvoller.

Das Publikum war begeistert. Trotz des Dramas hing über dem Abend eine spürbare Erleichterung: „Endlich wieder Oper“, vermittelte die Stimmung im Erler Festspielhaus.

Weitere Vorstellungen am 11. und 17. Juli. Infos dazu auf der Homepage tiroler-festspiele.at


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