Reinigung von Garnituren: Sprayen auf Züge kommt teuer

Oft ist es ein fünfstelliger Betrag, den die Reinigung von Garnituren kostet. Die Sprayer sorgen für Verspätungen und bringen sich in Gefahr.

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Diese Botschaft auf einem Waggon in Innsbruck fällt auf. Eine Warnung der ÖBB ist es jedenfalls nicht, auch wenn Graffitis für Kosten und Ärger sorgen.
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Von Alexandra Plank

Innsbruck – „Wir finden dich! Das war ein Fehler!“, steht in Druckschrift über dem Graffiti eines Waggons, der bei Innsbruck West auf einem Abstellgleis steht. Fast scheint es so, als hätten die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) jenen, die ihre Züge in Wellen verunstalten, die Rute ins Fenster gestellt.

Pressesprecher Christoph Gasser-Mair stellt klar: „Das ist keine Aktion von uns. Vielleicht gibt es unter den Gruppen eine Art Revierkampf.“ Er unterstreicht, dass das Besprühen von Zügen ein riesiges Problem darstellt: Die Sachschäden können nur österreichweit erhoben werden, weil kaum zu eruieren ist, in welchem Bundesland die Sprayer zugeschlagen haben. Die Kosten für die Reinigung könne je nach Garnitur in den fünfstelligen Bereich gehen. Pro Jahr muss österreichweit eine Million Euro dafür aufgewendet werden. „Das ist viel Geld, das man für die Verbesserung des Angebotes einsetzen könnte“, so der ÖBB-Sprecher.

Doch nicht nur deswegen sei das Beschmieren der Züge ein Ärgernis. Wenn wichtige Zeichen übersprüht werden, müsse der Zug aus dem Verkehr gezogen werden, oder einzelne Waggons, was weniger Platzangebot bedeute. „Die Sprayer sind sich nicht im Klaren, in welche Gefahr sie sich begeben. Auch wenn es sich scheinbar um unbenützte Gleise handelt, ist nicht ausgeschlossen, dass es dort nächtens zu Verschubarbeiten kommt. Von den Hochspannungsleitungen ganz zu schweigen.

“Die ÖBB arbeiteten sehr gut mit der Polizei zusammen. Zahlreiche Graffiti Tags, quasi Signaturen, sind in Datenbanken gespeichert. „Wenn jemand auffliegt, werden ihm oft mehrere Sachbeschädigungen nachgewiesen“, so Gasser-Mair. Das käme nicht nur teuer, oft würden die jungen Leute auch mit einer Verurteilung ins Leben starten. Im Herbst 2020 konnte auch mithilfe von Mitarbeitern der ÖBB eine Gruppe von Sprayern samt deutschen Mitgliedern geschnappt werden, die Strafen beliefen sich in Summe auf 50.000 Euro.

Stadträtin Christine Oppitz-Plörer ist für die Jugend zuständig und hält fest, es sei wichtig, zwischen Vandalismus und Straßenkunst zu unterscheiden. „Die Stadt stellt über die Homepage Flächen zur Verfügung, die mit Graffitis verschönert werden können, diese Kunstform gehört zu einer Stadt dazu.“ Sie sei froh, wenn es neue Meldungen gebe, derzeit seien aber erst neue Flächen zugänglich gemacht worden. „Es gibt einen Ehrenkodex, dass die Werke dann auch nicht übersprüht werden“, erklärt sie.

Wie die TT berichtete, nimmt die Polizei seit Jahresbeginn verstärkt die Graffiti-Szene ins Visier. Sogar das Landeskriminalamt beteiligt sich mit Analysen an den Ermittlungen. „Uns sind Graffitis als Sachbeschädigung ein Dorn im Auge. Schmierereien führen auch dazu, dass eine Stadt schmuddelig ausschaut und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung leidet“, so Christoph Kirchmair, Leiter der Innsbrucker Kripo. Mit der Stadt sei man bemüht, das Sprayen auf ausgewiesenen Flächen zu ermöglichen. Zur Warnung auf dem Zug sagt er: „Das muss nicht im Zusammenhang mit dem Sprayen stehen.“


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