Tiroler muss zahlen: 21-jährige Tochter erkämpfte Unterhalt

Vater sah 21-Jährige bereits selbsterhaltungsfähig. Gerichte billigten aber Orientierungsphasen und länger dauernde Ausbildung zu.

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Wer eine aussichtsreiche Ausbildung konsequent verfolgt, muss elterlich unterstützt werden.
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Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Geht eine Beziehung mit Kindern auseinander, ist der scheidende Elternteil meist mit nicht unerheblichen Unterhaltsverpflichtungen konfrontiert. Im Fall eines Tirolers betrug der monatliche Unterhalt für seine Tochter 492 Euro, die er sich alsbald nach Beendigung einer Ausbildung zu ersparen erhoffte.

Gleich nach dem Polytechnischen Lehrgang begann die Tochter dann auch mit Lehrverhältnissen sowie Schnupperkursen – und musste öfters feststellen, dass die Tätigkeit wohl auf längere Sicht nicht das Richtige wäre. Darauf der erfolgreiche Besuch der Handelsschule. Spätestens ab da vermeinte der Vater, dass nun wegen Selbsterhaltungsfähigkeit die Unterhaltspflicht zu Ende sein müsste. Schließlich sei für die Tochter als Büroangestellte oder Hilfsarbeiterin nun ein Gehalt von zumindest 1200 Euro zu erzielen.

Die junge Frau hatte inzwischen ihr Berufsziel an einer Fachschule im Sozialbereich genau definiert und nach Aufnahmeprüfung eine dreijährige Ausbildung bis zum Jahr 2022 angetreten. Nicht mehr tolerabel für den Vater, der so letztes Jahr einen Antrag auf Unterhaltsenthebung stellte. Mit allen Konsequenzen bis hin zum geminderten Unterhalt über nun 14 Monate.

Kein Zweifel: Ohne die Hilfe der Mutter hätte die junge Frau ihre Ausbildung abbrechen müssen.

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Über Rechtsanwalt Zeno Agreiter schritt sie dem Antrag des Vaters aber entgegen. RA Agreiter wollte in der Causa nichts dem Zufall überlassen und beantragte ein berufskundliches Sachverständigengutachten zum Werdegang seiner Mandantin. Dieses fiel dann so eindeutig zugunsten der Schülerin aus, dass auch eine Berufung des Vaters nicht mehr fruchtete.

Anwalt Agreiter aus dem rechtskräftigen Urteil des Landesgerichts: „Der Besuch der nunmehrigen Fachschule setzt ein Mindestalter von 17 Jahren und den Abschluss einer mittleren Schule voraus. Insofern stellte die absolvierte Handelsschule lediglich die Vorstufe für die letztlich angestrebte Ausbildung dar. Die zuvor abgebrochenen Lehrverhältnisse sind (gerade noch) der Orientierungsphase, die einem unterhaltsberechtigten Kind zuzugestehen ist, zuzuordnen.

Insgesamt ist daher die angefochtene Entscheidung auch in rechtlicher Hinsicht nicht zu beanstanden. Klar ist allerdings, dass die Unterhaltspflicht des Antragstellers erlischt, wenn die Ausbildung nicht mehr zielstrebig und erfolgreich absolviert wird, sowie jedenfalls mit Beendigung der nunmehrigen Ausbildung.“

„Ein Urteil, das nachhaltige und qualifizierte Ausbildung klar unterstützt!“, so RA Agreiter. Unterhaltsrückstände und Unterhalt müssen nun beglichen werden.


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