Aufgehoben im heimatlichen Hinterland: Hans-Christian Schlick im Fotoforum

  • Artikel
  • Diskussion
Der ostdeutsche Fotograf Hans-Christian Schink ist gern im heimatlichen Hinterland unterwegs.
© Schink

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Der vor 60 Jahren in Erfurt geborene Fotograf Hans-Christian Schink war in der ganzen Welt unterwegs, um allerdings immer wieder in das „Hinterland“ seiner ostdeutschen Heimat zurückzukehren, wo er heute auch lebt, er sich aufgehoben fühlt, wie er sagt. Für seine Ausstellung im Innsbrucker Fotoforum hat der Meisterschüler an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig zwei Zyklen ausgewählt, die in den späten 1990er-Jahren bzw. zwischen 2012 und 2019 entstanden sind.

Anhand von rein Landschaftlichem Sittenbilder einer Gesellschaft entwerfend, die fast wie Stillleben daherkommen. Zelebriert mit Versatzstücken, die für die jeweilige Zeit stehen. So sind Autobahnen, Brücken und Tunnels die zentralen in dem Zyklus „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“, die nach der Wende als länderverbindende Elemente in die unberührte Natur geklotzt wurden. Blühende Landschaften wurden damals den Menschen in den „neuen“ Bundesländern versprochen, dass es nicht ganz so gekommen ist, wissen wir heute. Und skeptisch war Hans-Christian Schink ganz offensichtlich schon damals.

Fotoforum

Adolf-Pichler-Platz 8, Innsbruck; bis 6. August, Di–Fr 15–19 Uhr, Sa 10–13 Uhr

Denn die Landschaften, die er fotografiert hat, sind diffus nebelig, die Bäume sind kahl, Schuttberge stören die Idylle, das Setting ist menschenleer. Allein auf einem der Bilder zieht ein weißer Schwan unter einer Autobahnbrücke seine einsamen Kreise.

Hans-Christian Schinks Ästhetik ist eine ganz subtile, allem Spektakulären abholde. Um sich in seinem Zyklus „Hinterland“ als Liebhaber des Undramatischen zu outen, wenn etwa die Hintergründe seiner Sujets mit den diffusen Himmeln zu einer Einheit verschmelzen. Gern ist Schink im Winter unterwegs, in weiten, verschneiten Landschaften mit tiefen Horizonten, in denen höchstens ein paar Schafe und Rinder oder ein einsames Haus die Präsenz von Menschen erahnen lassen.

"Kaiserschmarrndrama": 50x2 Karten für den Premieretag gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.


Kommentieren


Schlagworte