Ausgezeichnetes Brauchtum: Urkunden für Tiroler Traditionen

Am Hallstätter See wurden für jene 12 Gruppen oder Institutionen, die 2020 und 2021 in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurden, die Urkunden übergeben.

  • Artikel
  • Diskussion
Die Amraser Matschgerer mit Volkskundler Prof. Thomas Nussbaumer, Obmann Bernhard Egger, Moderatorin Maria Walcher (v. l.) und Cristina Biasetto.
© Thomas Nussbaumer

Von Peter Hörhager

Obertraun – Jetzt haben sie es amtlich, die Amraser Matschgerer und die Staner Anklöpfler. Sie wurden in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen. Im Rahmen eines Festaktes am Hallstätter See wurde den Vertretern der beiden Brauchtumsgruppen von Cristina Biasetto (Österreichische UNESCO-Kommission) und dem oberösterreichischen Landeshauptmann Thomas Stelzer die Urkunden überreicht.

Den Amrasern wäre diese Ehre schon im Vorjahr zuteilgeworden, das Coronavirus machte den Matschgerern jedoch einen Strich durch die Rechnung. Kein Nachteil ohne Vorteile: Die Staner Anklöpfler treten nur alle zehn Jahre auf, 2020 wäre es wieder so weit gewesen. Nun dreht die urige Gruppe erst heuer (im Dezember) ihre Runden und kann mit der UNESCO-Auszeichnung werben. „Die Vielfalt der Traditionen in Österreich ist Triebfeder für das gesellschaftliche Miteinander“, hielt der Landeshauptmann in seiner Ansprache fest.

Die Delegation der Staner Anklöpfler mit Vizebürgermeister Daniel Ludwig (3. v. l.) und Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (r.).
© Thomas Nussbaumer

Der 24-köpfige Fachbeirat hob in seiner Beurteilung hervor, dass sich das Amraser Matschgerertreiben trotz der Angliederung von Amras an die Landeshauptstadt und des städtischen Einflusses erhalten hat. Im Zentrum des Brauches stehen neben den Umzügen vor allem die Darbietungen der Matschgerer in kleinem Kreis, wobei jeder Fasnachtsfigur bestimmte Kostüme und Handlungsweisen zugeschrieben werden. Einige Kostümteile haben die von Obmann Bernhard Egger angeführten Amraser übrigens nach Oberösterreich mitgebracht. Von der Jury wurde weiters hervorgehoben, dass nicht etwa der Umzug der Matschgerer, sondern kleinräumige Aufführungsorte und die Interaktion mit der lokalen Bevölkerung im Vordergrund stehen.

Beim Staner Anklöpfeln, das seit Mitte des 19. Jahrhunderts durchgeführt wird und nichts mit der Herbergsuche traditioneller Anklöpfler-Bräuche gemein hat, wird die „eigentümliche und dramaturgische Form“ betont. Hauptfiguren sind ein Hoher Priester und ein türkisch angehauchter Bacchus. Die rund 25 „Leviten“ mit ihren weißen Chorröcken, hohen, spitzen Hüten und langen Bärten aus Baumbart tragen das Anklöpfler- und ein „Bettellied“ vor, aus welchem unüberhörbare Kritik an der weltlichen und kirchlichen Obrigkeit herauszuhören ist. Von der UNESCO-Kommission wurde unterstrichen, dass trotz der langen Intervalle viele Vereine und Dorfmitglieder beziehungsweise Institutionen in die Vorbereitung und Ausübung des Brauches eingebunden sind. „Das gesamte Dorf ist direkt oder indirekt aktiv und Garant für eine kontinuierliche Weitergabe“, heißt es wörtlich im Begleittext der Auszeichnung. Die Staner haben jenes Buch mit dicken Holzseiten mitgebracht, aus welchem der Hohe Priester die Liedtexte intoniert.


Kommentieren


Schlagworte