Klassik in den Alpen mit Elīna Garanča: Von fulminant bis sanft wiegend

Die achte Ausgabe von „Klassik in den Alpen“ mit Elīna Garanča sandte ein lautstarkes Zeichen der Hoffnung.

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Knapp 2000 Gäste mit 3-G-Nachweis besuchten die 8. Ausgabe von „Klassik in den Alpen“.
© S. Katharina

Von Barbara Unterthurner

Kitzbühel – Was wurde da bis am Samstag noch gebangt: Wird das nach letztjähriger Zwangspause wieder auferstehende „Klassik in den Alpen“ einem Unwetter zum Opfer fallen? Die Prognosen waren dramatisch, verrät Barbara Rett, die durch einen schlussendlich lauen Abend begleitete. Die Erleichterung, dass es bis Konzertende nur weit in der Ferne blitzte, sah man allen Beteiligten, vor allem (Stamm-)Gaststar Elīna Garanča, an. Nicht nur aus Corona-Sicht mutierte die achte Ausgabe von „Klassik in den Alpen“ zum Zeichen der Hoffnung.

Dramatisch wurde es beim Open-Air-Konzert im Pfarrau-Park in Kitzbühel also höchstens auf der Bühne, etwa wenn Garanča als Santuzza in „No, no Turridu ...“ aus Mascagnis „Cavalleria rusticana“ ihren Turiddu (Tenor Arsen Soghomonyan) beschwört, ihre Ehre nicht weiter zu verletzen.

Gerade im ersten Teil des Arienspektakels standen die großen Gefühle im Mittelpunkt, ob bei Garančas Auftakt mit der „Arie der Johanna“ (aus Tschaikowskis „Die Jungfrau von Orléans“) oder bei Verdis Arie „Ritorna Vincitor“, für die Sopranistin Cellia Costea in die Rolle der Aida schlüpfte – schön zerrissen zwischen ihrer Liebe zum Vaterland und zu Feldherr Radames.

Eine sichtlich erleichterte Elīna Garanča heuer zum achten Mal auf der Bühne von „Klassik in den Alpen“ in Kitzbühel.
© S. Katharina

Einmal mehr sorgte das Symphonieorchester der Volksoper Wien in Kitz für den richtigen Ton, auch heuer stand Garančas Ehemann Karel Mark Chichon am Dirigierpult. Er weiß auch nach den hochdramatischen italienischen und russischen Opern mit populären Melodien aufzulockern – und startet mit dem Cancan „Galop Infernal“ aus Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ fulminant in die zweite Konzerthälfte; um mit Offenbachs Barkarole „Belle nuit, ô nuit d’amour“ die ZuseherInnen musikalisch sanft zu wiegen oder mit Bixios „Parlami d’amore, Mariù“ in der Filmmusik zu landen.

Nicht nur die lettische Mezzosopranistin zeigt sich nach der Corona-Pause in stimmlicher Höchstform, sondern auch ihre Gäste, die rumänische Sopranistin Costea, die aus ihrer Heimat „Muzica“ mitbringt, sowie der armenische Tenor Soghomonyan, der auch mit seinem komödiantischen Talent unterhält. Neben diesen Profis will der Bass Philipp Schöllhorn neu durchstarten, er hat sich den ersten Preis von „ZukunftsStimmen“ 2021 gesichert, jener Nachwuchsinitiative, die Garanča und Chichon 2019 ins Leben riefen. In Kitzbühel bewies der 23-Jährige mit Gershwins Klassiker „I Got Plenty o’ Nuttin’“ aus der Oper „Porgy and Bess“ jedenfalls, dass er die große Bühne beherrscht.

Dementsprechend tosenden Applaus gab es von den knapp 2000 anwesenden ZuseherInnen – am Ende natürlich für alle KünstlerInnen auf der Bühne. Wie Moderatorin Rett eben bemerkte: „Es sind nicht nur die Sportler, die Kitzbühel attraktiv machen, sondern auch die Künstler.“ Das wird nach einem Jahr ohne Live-Musik vielleicht umso deutlicher.


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