Italien verbannt große Kreuzfahrtschiffe aus Venedig

Die Regierung in Rom will ab August große Schiffe aus Venedig verlegen. Kreuzfahrtriesen sollen künftig in Marghera anlegen.

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Kreuzfahrtriesen werden aus Venedig verbannt.
© MIGUEL MEDINA

Venedig – Die italienische Regierung will ab August große Schiffe von der Lagune Venedigs verbannen. Die Maßnahme gelte für Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 25.000 Bruttoregistertonnen oder einer Länge über 180 Metern beziehungsweise mehr als 35 Metern Höhe, teilte die Regierung am Dienstagabend in Rom mit. Auch Schiffe, die gewisse Abgasnormen überschreiten, können demnach nicht mehr durch die Lagune fahren.

Unterstützungsmaßnahmen sind zugunsten von Arbeitnehmern des Hafens von Venedig vorgesehen, die wegen des Stopps für große Schiffe Einnahmenverluste erleiden könnten. Ziel ist der Kreuzfahrerbetrieb in den Gewässern der Lagune zu verringern und die einzigartige Umwelt dort zu schützen. Die Maßnahme sei ein „notwendiger Schritt, um die Umwelt, die Landschaft sowie die künstlerische und kulturelle Integrität von Venedig zu schützen“, sagte der italienische Verkehrsminister Enrico Giovannini.

Kabinett will auch Dammsystem MOSE fertig bauen

Die Regierung will auch Finanzierungen für den Fertigbau des mobilen Dammsystems MOSE zum Schutz der Lagunenstadt vor Flutwellen bereitstellen. Das Dammsystem war im vergangenen Jahr erstmals mit Erfolg eingesetzt worden.

Die Maßnahmen der Regierung von Premier Mario Draghi wurden beschlossen, nachdem Experten der UN-Kulturorganisation Unesco vor wenigen Wochen vorgeschlagen hatten, Venedig auf eine schwarze Liste für gefährdetes Welterbe zu setzen. Die Unesco begründete die Idee unter anderem mit den Kreuzfahrtschiffen in Venedig.

Kreuzfahrtschiffe stehen bei der venezianischen Bevölkerung in heftiger Kritik, weil sie Aktivisten zufolge umweltschädigend sind und die Kreuzfahrttouristen zwar die historische Altstadt bevölkern, aber dort kaum Geld lassen. Der Druck erhöhte sich, nachdem ein Kreuzfahrtschiff im Juni 2019 gegen einen Kai gekracht war. (APA)


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