Grüne zu ORF-Chefwahl: „Gut, dass eine Frau für die Spitze kandidiert“

Grünen-Mediensprecherin Eva Blimlinger über die ORF-Chefwahl. Der Stiftungsrat des Öffentlich-Rechtlichen sollte anders besetzt werden.

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Grünen-Mediensprecherin Blimlinger beteuert: Die Wahl eines ORF-Chefs sei „Aufgabe der Stiftungsräte, nicht die einer Partei“.
© APA/Neubauer

Von Karin Leitner

Wien – Am 10. August wird ein neuer Generaldirektor gewählt – von den 35 Stiftungsräten; Ex-FPÖ-Vizekanzler Norbert Steger sitzt ihnen vor. Der ORF-Oberste amtiert ab Jänner 2022 – für fünf Jahre. Es ist der wichtigste hiesige Medienjob. Die Ausschreibung läuft bis 28. Juli. Die Grünen haben sich zu dieser Causa bisher nicht geäußert. Deren Mediensprecherin Eva Blimlinger tut das nun – via Tiroler Tageszeitung.

Eine hochpolitische ist die ORF-Wahl. Seit jeher bestimmen die Regierungsparteien bei dieser. Derzeit haben die türkisen und türkis-nahen Stiftungsräte die Mehrheit.

Blimlinger sagt dazu: „Wir sind für eine Änderung in den Gremien. Das sollte ein wirklicher Aufsichtsrat werden, der zur Hälfte politisch, zur anderen von Organisationen beschickt wird – wie in Deutschland bei ARD und ZDF.“ Wird darüber mit der ÖVP verhandelt? Das werde es nicht, antwortet Blimlinger. Im Regierungsprogramm ist dieses Begehren der Grünen nicht festgeschrieben: „Weil wir uns mit der ÖVP darauf nicht einigen konnten.“

Im türkis-grünen Pakt ist lediglich vermerkt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk erhalten, seine unabhängige Finanzierung gesichert werden soll. Geredet werde mit dem Koalitionspartner momentan nur über diese Neuerung, sagt Blimlinger: „Dass zum Beispiel bei der ORF-TVthek die Sieben-Tage-Frist aufgehoben und der ORF-Player möglich wird.“ Zwei Kandidaten gibt es bisher für die ORF-Spitze. Jenen Mann, der an dieser schon seit dem Jahr 2007 ist: Alexander Wrabetz.

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Channelmanagerin Totzauer kandidiert

Seit vergangenem Dienstag hat dieser eine Konkurrentin, die ORF1-Channelmanagerin Lisa Totzauer. Wen der beiden favorisieren die Grünen? „Dazu äußere ich mich nicht. Ich warte das Ende der Bewerbungsfrist ab“, sagt Blimlinger. Ist ob ihres Selbstverständnisses nicht gut, dass eine Frau antritt, müssten die Grünen diese nicht unterstützen? „Selbstverständlich ist gut, dass eine Frau kandidiert. Unser Wunsch ist, dass es in der Generaldirektion und bei den anderen Leitungspositionen Geschlechterparität gibt.“ Eine solche sei auch in den ORF-Landesstudios vonnöten: „Es kann nicht sein, dass neun Landesstudios von Männern geführt werden.“ Darauf habe schon Grünen-Stiftungsrat Lothar Lockl hingewiesen. Bis dato seien nur das Kärntner und das Wiener ORF-Studio von einer Frau geleitet worden, Letzteres von Brigitte Wolf; diese gehe aber in Pension. „Es dürfen künftig nicht neun Männer sein.“ Dahingehend müsse der Stiftungsrat handeln.

ORF1-Channelmanagerin Lisa Totzauer bewirbt sich.
© HERBERT NEUBAUER

Hofft die Grünen-Mediensprecherin auf weitere Interessenten für den ORF-Chefjob? Das tut sie. „Das erachte ich als sinnvoll. Je mehr Qualifizierte sich bewerben, darunter Frauen, desto eher kann man sehen, dass der ORF ein großartiges Unternehmen ist, das viele Leute leiten wollen.“ Als potenzieller Kandidat, bevorzugt von der ÖVP, gilt ORF-Vizefinanzdirektor Roland Weißmann. Er und der Medienbeauftragte von ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz, Gerald Fleischmann, waren kürzlich – damit während der Ausschreibungsphase – bei einer Zusammenkunft der ÖVP-Stiftungsräte. Als „eigenartig“ wertet Blimlinger das. „Es steht aber allen frei, sich mit jemandem zu treffen.“

Gibt es, wie zu hören ist, den koalitionären Deal: Votieren die Grünen-Stiftungsräte für Weißmann oder einen anderen von der ÖVP gewollten Generaldirektor, bekommen die Ökos Posten in Führungsbereichen darunter, etwa weiterhin einen für Parteigänger Pius Strobl? „Dazu kann ich nichts sagen. Ich habe keinen Deal.“ Kolportiert wird, dass ein Sideletter zu Postenbesetzungen zum türkis-grünen Koalitionsvertrag verfasst worden ist, in dem geregelt ist, dass die ÖVP beim ORF-Generaldirektor das Sagen hat. Gibt es den? Wenn ja, warum haben sich die Grünen darauf eingelassen? „Das kann ich nicht bestätigen.“ Sie und die Ihren würden bei der ORF-Generaldirektorenwahl nicht mitmischen, beteuert Blimlinger: „Das ist Aufgabe der Stiftungsräte, nicht die einer Partei.“ Den Grünen gehe es um Inhaltliches, neben dem Aus für die Sieben-Tage-Frist bei der TVthek um den ORF-Player, die geplante Streaming- und Social-Media-Plattform des ORF: „Die blaue ORF.at-Seite muss jedenfalls erhalten bleiben. Es gibt ja das Begehren von Verlagen, das abzudrehen. Dem ist politisch entgegenzutreten. Das ist die wohl populärste und relevanteste Nachrichtenwebsite des Landes, über die sich sehr viele Menschen schnell informieren.“


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