Jeder dritte Tiroler Leitbetrieb wieder auf Vorkrisenniveau

Zuversicht bei Firmen steigt. Wirtschaftskammer sieht 2022 die meisten Betriebe auf Vorkrisenniveau. Probleme: Rohstoffpreise, Fachkräftemangel.

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Besonders in der Industrie ist die Zuversicht relativ groß, im Handel dagegen relativ gering.
© IStock

Von Max Strozzi

Innsbruck – Nach 15 Monaten Corona-Rezession steigt bei Tirols Leitbetrieben die Laune. Knapp die Hälfte der 219 von der Tiroler Wirtschaftskammer befragten Leitbetriebe (insgesamt 40.000 Mitarbeiter) melden eine gute wirtschaftliche Lage ihres Unternehmens, 11 % sehen sich dagegen noch in einer schlechten Situation. „Rund ein Drittel der Tiroler Betriebe hat bereits das Vorkrisenniveau erreicht“, sagt Wirtschaftskammer-Ökonom Stefan Garbislander. Im Lauf den nächsten Jahres sollten die meisten Betriebe die Pandemie überstanden haben, glaubt er.

Derzeit allerdings schwankt die Lage je nach Branche noch stark. „In der Industrie und in der Bauwirtschaft läuft es sehr gut, im Handel etwas schwächer“, so Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser. Während sich in Industrie, Gewerbe und Information/Consulting mehr als 60 Prozent der Betriebe mit ihrer wirtschaftlichen Lage zufrieden zeigen, sind es im Tourismus (42 %) und im Handel (26 %) deutlich weniger. Doch auch in der Bauwirtschaft, die am wenigsten unter den Corona-Maßnahmen der Regierungen litt, sehen sich weniger als die Hälfte der Betriebe (46 %) in einer guten Lage.

Insgesamt gehen aber mehr als die Hälfte der Tiroler Unternehmen (56 %) davon aus, dass die Situation bis Ende des Jahres weiterhin gut bleibt, nur 7 % befürchten eine Verschlechterung, der Rest geht von einer gleich bleibenden wirtschaftlichen Lage aus.

Problematisch seien die Rohstoffpreise, die seit Jahresbeginn deutlich gestiegen sind. „Das drückt auch auf die Erträge“, sagt Wirtschaftskammer-Ökonom Garbislander. 82 % der Tiroler Betriebe erwarten weiter steigende Rohstoffkosten, die Hälfte der Firmen rechnet in weiter Folge daher mit steigenden Verkaufspreisen mit entsprechenden Folgen für die Inflation.

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Auch beim Fachkräftemangel sei man „dort, wo wir vor der Krise waren“, sagt Walser. Für 70 Prozent der befragten Unternehmen stelle der Fachkräftemangel die größte Herausforderung dar – verbunden mit steigenden Arbeitskosten, weil sie mehr zahlen, um passendes Personal zu finden. Eine drohende Insolvenz befürchtet dagegen nur 1 % der Leitbetriebe – vergangenen Winter hatten noch 10 % Angst vor einer Pleite.

Walser machte sich für Corona-Impfungen stark, auch um eine für den Wintertourismus folgenschwere vierte Welle zu verhindern. Eine Impfpflicht befürwortet er nicht, dafür aber andere Corona-Maßstäbe: „Wir müssen weg von der ganzen Inzidenzjagd.“


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