Volksschauspiele-Intendant Nix: Vom Kloster direkt ins Gewühl

Nach den Querelen der letzten Monate erfolgt heute der Auftakt zu den Tiroler Volksschauspielen in Telfs. Intendant Christoph Nix will Vergangenes abhaken und plant schon für die nächste Saison.

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Christoph Nix steht mit seinem ersten Programm bei den Volksschauspielen in der Auslage.
© Thomas Böhm

Von Markus Schramek

Telfs – Gut möglich, dass Protestant Christoph Nix auf seine mittelalten Tage noch katholisch wird. Jedenfalls fühlt sich der Hesse wohl in seinem Kabäuschen im Franziskanerkloster zu Telfs. Von dort wird sich der Theatermacher heute Abend zum wenige Meter entfernten Rathaussaal begeben, die Tiroler Volksschauspiele 2021 zu eröffnen. Nach dem offiziellen Teil steigt im Kranewitter Stadl ein Klassiker: das tragikomische „Indien“ nach Josef Hader und Alfred Dorfer.

Ein Kloster als Rückzugsort ist eine gute Wahl, wenn es darum geht, Gedanken zu ordnen und zur Ruhe zu kommen. Nix’ erstes Jahr in Telfs verlief stürmisch.

Schon seine Kür zum Intendanten im Sommer 2020 (nach überzeugendem Hearing) stand unter keinem guten Stern. Kurz zuvor hatte sich der Verein Tiroler Volksschauspiele um Obmann Markus Völlenklee, Regisseur Klaus Rohrmoser und Dramatiker Felix Mitterer nach 38 Jahren von den Volksschauspielen getrennt, bitter enttäuscht und vorwurfsvoll im Ton. Die Marktgemeinde Telfs hatte die Volksschauspiele in eine GmbH umgewandelt; der Verein, über Jahrzehnte allein verantwortlich und zuständig, fühlte sich ausgebootet.

Instinktiv erkannte Nix, dass die Volksschauspiele ohne den Verein einen schweren Stand haben würden, das Klima belastet, etliche ehrenamtliche Helfer nicht mehr zur Stelle. Der Neue versuchte Mitterer zurückzuholen, jedoch ohne jeden Erfolg.

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Gleichzeitig krachte es im Gebälk der Volksschauspiele wiederholt und heftig. Mit Verena Covi ist seit Nix’ Ankunft schon die dritte Person mit der kaufmännischen Leitung betraut. Die Harmonie zwischen Covi und Nix, der schon mit Rücktritt drohte, ist verbesserungswürdig. Covi hat einen mächtigen Fürsprecher in Person von Bürgermeister Christian Härting.

Volksschauspiele 21

Neun Premieren stehen bei den Tiroler Volksschauspielen auf dem Programm: „Indien“ (15.7.), „Wolf!“ (16.7.), „Vater“ (17.7.), „Türkisch Gold“ (23.7.), „Rut“ (von Intendant Nix verfasst, 29.7.), „Allerhand Kreuzköpf’“ (31.7.), „Estroverdi“ (9.8.), „Angelo Soliman“ (11.8.), „Fettes Schwein“ (14.8.).

Karten und Info unter www.volksschauspiele.at

Im Vorjahr wurden die Volksschauspiele wegen Corona abgesagt. 2019, letztmals unter der Ägide des Vereins Tiroler Volksschauspiele, wurde das Felix-Mitterer-Stück „Verkaufte Heimat“ zum großen Erfolg (26 ausverkaufte Termine).

Nix will die Turbulenzen der letzten Monate hinter sich lassen. „Was vorgefallen ist, interessiert mich nicht. Ab jetzt wird in Telfs gespielt, nur so kann man zeigen, was man kann“, sagt der Programmverantwortliche. Er will den Volksschauspielen „ein anderes Gesicht geben“, sieht sie als „Ort einer weltoffenen Begegnung“. Nix: „Heimat heißt Tiefe und nicht Enge.“

Nicht überall kommt der Deutsche damit gut an. Nix wurde anonym beschimpft und bedroht. Der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft.

Neun Premieren sind es im Telfer Sommer 2021 bis Ende August (siehe Kasten). Das sei mit einem Budget von rund einer Million Euro kaum zu stemmen, meinen Skeptiker. Nix hat „ganz bewusst“ mehrere Stücke an verschiedenen Spielorten ins Programm genommen, aus diesem Grund: „Hätte Corona manche Produktion verhindert, blieben immer noch weitere.“

Dass nur wenige Tiroler Schauspieler in Telfs engagiert seien, wurde Nix von Kulturlandesrätin Beate Palfrader angekreidet. Er (ver-)wehrt sich dagegen: „Es sind viele Österreicher dabei, junge Talente, das hat doch auch einen Wert.“

Nix hat einen Vertrag bis 2024. Und den gedenkt er zu erfüllen. Für nächstes Jahr plant er in Telfs ein Hauptstück, dazu zwei weitere Produktionen, macht drei statt wie heuer neun Premieren.

Fast so wie früher bei den Volksschauspielen, könnte man sagen. Ob aber auch im Innenleben Ruhe einkehrt, muss sich erst weisen.


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