„Friedl Bison und seine Kinder“: Geldgierige Raffzähne, rauchende Colts

Schwarzer Humor, schräge Typen und ein Hauch von Ibiza: Krimikomödie „Friedl Bison und seine Kinder“ im Steudltenn uraufgeführt.

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Wer anderen einen Sarg baut ... Möchtegern-Erben beim gruppendynamischen Work-Shop: Manuel Witting. Lisa-Lena Tritscher, Jula Zangger, Alexander Braunshoer und Gerald Votava (v. l.).
© Katharina Kainzner_Steudltenn

Von Markus Schramek

Uderns – Jeder lügt und betrügt so unverschämt, dass sich die Balken biegen. Am Ende macht es Peng!Peng!Peng! aus Pistolen- attrappen, doch das Publikum, schon an der Abendkassa vor dem krachenden Showdown gewarnt, gluckst und lacht vergnügt. Ja, ganz richtig, wir befinden uns im Theater, exakt im Steudltenn in Uderns. Es ist Sommer, da wird gerne leichtere Kost aufgetragen, Komödienzeit.

Spaß mit Ansage ist ein schwieriges Unterfangen, quasi permanente Glatteisgefahr, ganz unabhängig von der Saison. Doch Hakon Hirzenberger, Steudltenn-Co-Chef, Stückverfasser und Regisseur in personeller Dreifaltigkeit, macht sich in der am Mittwoch uraufgeführten Krimikomödie „Friedl Bison und seine Kinder“ mit leichter Hand an große Themen: Der Menschen Gier ist wahrlich ein Luder!

Patriarch Friedl Bison (den die Zuseher nie zu Gesicht bekommen) will mutmaßlich sein Erbe regeln. Er lässt seine drei Sprösslinge in einem Hotel antanzen, denn zu erben gibt es einiges: ein Unternehmen samt Villa in Baden.

Die dreifache Frucht von Herrn Bisons Lenden hat sich wenig zu sagen, zumindest wenig Freundliches. Horst (gespielt von Manuel Witting), der Sohn Nr. 1, ist ein zwielichtiger Politiker, der sich, Ibiza schau herüber, mit einem kompromittierenden Video herumschlagen muss.

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Sohn Nr. 2 Josef (Alexander Braunshoer) ist ein sich Pillen einwerfender, neurotischer Psychiater, schnöselhaft nach außen, durchtrieben im Hinterstübchen. Beider Schwesterherz Christine (Jula Zangger) gibt die taffe Businesswoman, im roten Signalkleidchen daherstöckelnd.

Lenker dieser aufgeladenen Zusammenkunft ist ein Butler namens Dietrich „Dixi“ Swoboda (Gerald Votava in Vollendung). Er fungiert als Bindeglied zu Erblasser Friedl. Mit dem Hotellift pendelt Dixi zwischen dem alten Herrn und seiner raffgierigen Brut hin und her.

Ups, nicht zu vergessen, taucht plötzlich Pizzabotin Laura (Lisa-Lena Tritscher) in der Lobby auf. Das aparte Wesen ist für seinen Job eindeutig überqualifiziert: Aus der Hüfte zitiert Laura Rilke. Diese junge Frau führt ganz gewiss etwas im Schilde abseits der Zustellung belegter, italienischer Fladen.

Man erahnt es vielleicht schon – so zumindest die Hoffnung des hier Schreibenden: Auf der Steudltenn-Bühne (Gestaltung Reinhard Taurer und Gerhard Kainzner) ist unter Hausherr Hakon Hirzenberger ganz ordentlich was los. Wortwitz, Tempo und (bisweilen schräger) Humor, bei sehr guten Schauspieler-Leistungen en bloc. Bespaßung und Tiefgang müssen kein Widerspruch sein. Gelungen, gelungen.

Friedl Bison und seine Kinder

Nächster Termin: 16. Juli (noch bis 31. Juli im Programm). www.steudltenn.com


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