„Deprimierende Szenarien“ für heimische Feuerwehr in Belgien

Rund 120 Mitglieder der niederösterreichischen Feuerwehren helfen nach schweren Unwettern in der belgischen Provinz Lüttich. Mindestens 23 Menschen kamen ums Leben.

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Verwüstete Wohnhäuser und zerstörte Infrastruktur offenbarten sich den Helfern aus Österreich.
© MATTHIAS FISCHER

Lüttich – Rund 120 Mitglieder der niederösterreichischen Feuerwehren sind nach schweren Unwettern nach Belgien ausgerückt. Seit den frühen Morgenstunden gingen sie am Freitag im Raum Lüttich zu Werke. Was sich ihnen offenbarte, waren nach Angaben des Landesverbandes „deprimierende Szenarien“, verwüstete Wohnhäuser, in den Fluten versunkene Autos und zerstörte Infrastruktur inklusive. Wie lange der Einsatz der Helfer andauern wird, war zunächst nicht absehbar.

Aufgebrochen war der Hilfskonvoi der niederösterreichischen Feuerwehr mit 26 Rettungsbooten im Gepäck am Donnerstagnachmittag. Nach zwölfstündiger Fahrt wurde das Katastrophengebiet um Lüttich erreicht. Es begann die Suche nach Überlebenden im Hochwasserchaos.

📽️ Video | Heimische Feuerwehrleute helfen in Belgien

Flüsschen wurde zum reißenden Strom

Konkret eingesetzt wurden die Niederösterreicher in Theux, einer 12.000 Einwohner zählenden Stadt in der belgischen Provinz Lüttich. Das den Ortskern durchziehende Flüsschen namens Hoegne hatte sich dort zu einer reißenden Gewalt entwickelt und nach Feuerwehrangaben einen Rekordpegel erreicht. Das Wasser stand in der Stadt bis zu zweieinhalb Meter hoch. „Die Strömungsgeschwindigkeit war so enorm, dass Autos wie Zündholzschachteln wegschwemmt und ein Großteil aller Gebäude massiv beschädigt wurden“, berichtete Franz Resperger vom Landeskommando in einer Aussendung. Kein Bewohner von Theux könne sich „an eine derartige Flutkatastrophe erinnern“.

Da in eingestürzten Objekten Personen verschüttet sein könnten, waren die Helfer aus Österreich damit beschäftigt, mögliche Opfer zu lokalisieren und im Bedarfsfall auch zu befreien. Durchsucht wurden außerdem zahlreiche Autowracks, da es im Bereich des Möglichen stand, dass Menschen in den Fahrzeugen eingeschlossen sein könnten.

📽️ Video | ORF-Korrespondent Feichtner aus Lüttich

Schwere Schäden hat die Flut an der örtlichen Infrastruktur hinterlassen. „Der Strom ist durch gebrochene Masten teilweise ausgefallen, in Straßen und auf Gehsteigen klaffen riesige Löcher im Asphalt“, hieß es.

Trotz der vorherrschenden prekären Situation wurden den Feuerwehrleuten aus dem relativ weit entfernten Niederösterreich immer wieder Sympathiebekundungen entgegengebracht. „Viele Menschen sind den Einsatzkräften um den Hals gefallen und haben sich für die rasche Hilfe bedankt“, wurde in der Aussendung hervorgehoben.

Mindestens 23 Tote

Wie die Nachrichtenagentur Belga am Freitag unter Berufung auf den Gouverneur der Provinz Lüttich berichtet, kamen mindestens 23 Menschen in Wallonien ums Leben. Bisher seien in der Provinz Lüttich nur sechs von 20 dort gefundenen Leichen identifiziert worden. Es gebe immer noch Menschen, die seit 36 Stunden ohne Essen und Trinken auf Dächern ausharrten. Nach Informationen des öffentlich rechtlichen Sender RTBF wurden in der Provinz Lüttich zudem am Mittag noch 13 Menschen vermisst. (APA, TT.com)

Tausende Menschen fliehen vor Hochwasser in den Niederlanden

Wegen des Hochwassers haben in den Niederlanden Tausende Menschen am Freitag ihre Häuser im Süden des Landes verlassen und sich in Sicherheit gebracht. Unter anderem ist die Stadt Venlo mit rund 100.000 Einwohnern von Überschwemmungen betroffen. Am Abend sollte ein Großteil der Stadt evakuiert werden, teilte die Verwaltung mit.

Zuvor hatten Familien in der Stadt Meerssen und deren Umgebung wegen eines Deichbruchs ihre Häuser verlassen müssen. Notfalldienste warnten, die Wassermassen drohten mehrere Dörfer zu überschwemmen.

Ministerpräsident Mark Rutte erklärte das Hochwasser in der Provinz Limburg im Süden des Landes zu einer nationalen Katastrophe. Hunderte Feuerwehrleute und Soldaten versuchten, Deiche zu verstärken und Einwohner wegzubringen. In der Gemeinde Valkenburg, die in der Nähe der deutschen und belgischen Grenze liegt, wurde das Stadtzentrum überflutet. Etliche Pflegeheime mussten geräumt werden, mindestens eine Brücke wurde zerstört. Die Flüsse Maas und Rur hatten nach Angaben lokaler Behörden bereits am Donnerstag Rekordpegel erreicht. (APA/Reuters)


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