Westbahntheater Innsbruck: Bester Orgasmus seit „Harry und Sally“

Joseph Holzknechts robotergesteuerte Tragikomödie „Das Geschenk“ im Westbahntheater.

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An der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Andrea Praxmarer als vielseitiger Roboter in „Das Geschenk“.
© Tauber

Innsbruck – Eine Spielstätte im Hinterhof, eine improvisierte Bühne Marke Eigenbau. Es braucht nicht viel für ein Theatererlebnis, wenn das Stück gut ist und die Schauspieler ihr Handwerk verstehen. Den Beweis für diese These tritt das Innsbrucker Westbahntheater mit seiner neuen Produktion an. Schauspieler Joseph Holzknecht liefert, einmal in anderer Rolle, die Textvorlage. „Das Geschenk“ heißt Holzknechts Tragikomödie. Gestern erfolgte deren Uraufführung in der Regie von Hans Danner. Die TT war tags zuvor bei der Generalprobe dabei.

Wie weit soll sich menschliche auf die Hilfe künstlicher Intelligenz von Computern ein- und verlassen? Um diese Frage entfaltet sich Holzknechts Stück, ohne aber, vom polnischen Pfarrer einmal abgesehen, moralisierend den Zeigefinger zu erheben. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie smart sein Home sein soll, ob alltägliche Arbeiten selbst oder von chipgesteuerten Maschinen erledigt werden.

Bei Holzknecht schneit überraschend ein Roboter, später Pasti getauft, bei einer Wohlstandsfamilie herein. Er ein Zahnarzt, sie sein Zweitfrauchen, dazu der jugendliche Sohn, ein „digital native“, der rasch herausfindet, wie man Pasti für den jeweiligen Gout programmiert. Das Hightech-Gerät findet als Tänzer, Spielgefährte, Haushaltsgehilfe, Alleswisser (direkter Link zu Google) begeistert Aufnahme. Der vernachlässigten Zahnarztgattin (gespielt von Maren Menzel) beschert es überdies eine Fußmassage, die diese in höchste Verzückung versetzt. Eine köstliche Szene. Der beste gespielte Orgasmus seit „Harry und Sally“.

Das Geschenk.

Nächster Termin heute Samstag, 17.7., 20 Uhr.

westbahntheater.at

Es ist nicht ganz fair, aus einem feingetunten Ensemble jemanden hervorzuheben. Doch diesmal sei es verziehen. Andrea Praxmarer als Roboter Pasti mit blonder Androiden-Perücke erweckt tatsächlich den Eindruck, hier sei eine sprechende Maschine an der Arbeit: ungelenk ihre Bewegungen, mechanisch die Artikulation, starr der Blick (so ein Roboter hat ja keine Gefühle). Kurzum: sehr sehenswert! (mark)

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