Gewesslers Pläne für den klimafreundlichen Verkehr

Grüner Masterplan für Personen und Güterverkehr: In Österreich sollen bereits ab 2030 nur noch emissionsfreie Pkw verkauft werden.

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Bahn, Straße und die Ministerin im Einsatz für das Klima: ÖBB-Chef Andreas Matthä, Leonore Gewessler und Asfing-Vorstand Josef Fiala.
© APA/Schlager

Wien – „Karte und Kompass“: So beschreibt Umwelt- und Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) den „Mobilitätsmasterplan 2030“, den sie gestern präsentiert hat. Auf knapp 70 Seiten zeigt das Papier, wie der Verkehrssektor zur Klimaneutralität beitragen soll. Kurz gesagt: mehr Zug, weniger Fliegen und weniger Verbrennungsmotoren. Aus den Vorhaben heraus sticht das Ziel, in Österreich ab 2030 nur noch emissionsfreie Pkw neu zuzulassen. Die EU sieht diese Maßnahme im gesamteuropäischen Plan erst ab 2035 vor.

„Zukunft des Autos steht unter Strom"

Gewessler setzt dabei auf Elektromobilität. „Die Zukunft des Autos steht unter Strom“, sagt sie. Mit einem Anteil von 13,9 Prozent an den Neuzulassungen bei Pkw habe sich Österreich bereits in das europaweite Spitzenfeld geschoben.

Josef Fiala, Vorstand der Autobahngesellschaft Asfinag, versprach, die nötige Infrastruktur auf den Straßen zuzuliefern. Aktuell gebe es entlang der Autobahnen und Schnellstraßen 156 Ladepunkte für E-Autos. Ende dieses Jahres sollen es 200 sein. Alle 65 Kilometer werde es dann möglich sein, die Batterien aufzuladen. Für 2030 kündigt er 1000 Ladepunkte an. Damit werde es möglich sein, rund 30 Prozent des Pkw-Verkehrs zu bedienen.

Beim Güterverkehr hat sich die Asfinag noch nicht so klar auf eine Technologie festgelegt. Fiala erwartet in den kommenden Jahren ein zunehmendes Angebot an Wasserstoff-Lkw. Die Asfinag werde versuchen, eine Infrastruktur aufzubauen. Ebenso würden aber Ladestationen für elektrische Lkw gebaut. Die Autobahngesellschaft beteiligt sich außerdem an Forschungsprojekten für Oberleitungen entlang der Routen.

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Gewessler will den Lkw-Verkehr auf der Autobahn mithilfe einer Verlagerung auf die Schiene aber ohnehin reduzieren. Der Marktanteil der Bahn liegt derzeit bei 31 Prozent. Im Jahr 2040 sollen es 40 Prozent sein.

Leistungsfähigkeit der ÖBB soll bis 2040 verdoppelt werden

Um das zu erreichen, kündigt ÖBB-Chef Andreas Matthä milliardenschwere Investitionen bis hin zu einem neuen Leitsystem und neuen Kupplungen an. In Summe strebt er an, die Leistungsfähigkeit bis 2040 zu verdoppeln.

Die Bahn soll auch mehr vom Personenverkehr übernehmen. „Alles, was du in vier Stunden mit dem Zug erreichst, brauchst du nicht fliegen“, sagt er. Ein Beitrag dazu ist der Ausbau des Nachtzug-Netzes der ÖBB.

Ein Ziel wäre auch der Ausbau der europaweiten Hochgeschwindigkeitstrassen. Noch stößt die Bahn dabei aber an Grenzen, etwa bei gemeinsamen technischen Standards. Matthä: „Es ist nicht nur so, dass Europa die Bahn braucht. Auch die Bahn braucht Europa.“

Gewessler gibt als Ziel vor, dass der öffentliche Verkehr bis 2040 in Österreich einen Anteil von 40 Prozent erreichen soll – derzeit sind es 27 Prozent. Ebenfalls steigen soll der Anteil der Wege, die Menschen aus eigener Kraft zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen, von heute 23 auf 35 Prozent 2040. Ebenfalls bis 2040 sollen Flugzeuge mit alternativen Treibstoffen emissionsfrei unterwegs sein.

Kosten für ihr Paket nennt die Ministerin nicht. „Wir haben jetzt viel Arbeit vor uns, das zu konkretisieren“, sagt sie nur. Auch mit der Wirtschaft sei sie ständig im Gespräch, beteuert Gewessler. Zuletzt sei dies beim Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz zu sehen gewesen.

Die ersten Reaktionen waren unterschiedlich. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) begrüßt das Paket. Der ÖAMTC hingegen wirft der Ministerin Verunsicherung vor. (sabl)


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