Wölfe sind Hasen, Angsthasen, die sich in die Hosen machen

Premiere Nr. 2 bei den Tiroler Volksschauspielen Telfs spielt im Wald. Wo Raoul Biltgens „Wolf!“ sein Unwesen treibt.

  • Artikel
  • Diskussion
Sophie Berger als universelle Alleinunterhalterin in Raoul Biltgens „Wolf!“.
© Victor Malyshev

Von Edith Schlocker

Telfs – Immerhin Petrus hatte am Freitag entgegen allen Prognosen Mitleid mit den Telfer Volksschauspielern. Und so wäre es gar nicht übel gewesen, auf einigermaßen trockenen Heuballen sitzend in einer Waldlichtung am Telfer Birkenberg die „Blaue Stunde“ zu genießen, hätte die Idylle nicht ein „Wolf“ gestört. Allerdings kein vierbeiniger, Schafe reißender, sondern das von Raoul Biltgen geschriebene und auch inszenierte Ein-Personen-Stück „Wolf!“.

In das der in Wien als Schriftsteller, Theatermacher und Psychotherapeut lebende gebürtige Luxemburger sehr viel, zu viel hineingepackt hat. Das psychologisch höchst interessante, großmutterfressende Monster aus dem Märchen leider viel weniger als den sich in unserem Lebensraum zunehmend ausbreitenden realen Wolf und die große Frage, was wahr ist und was nicht. Dramaturgisch aufbereitet als Verschnitt aus schriller Farce und bemühter Kinderanimation, Wobei das spärlich erschienene Premierenpublikum sich anfangs sehr bereitwillig, ob der vielen Wiederholungen aber immer müder in die Rolle der brav Mitspielenden drängen ließ.

Als singende, tanzende, sich immer wieder neu erfinden müssende Alleinunterhalterin gibt die junge Wienerin Sophie Berger ihr Bestes. Um wie ein echter Wolf die Zähne zu fletschen, Schafe symbolisch auszuweiden, sich als Inspirationsquelle für einen Song in zünftig Krachlederner auf einer Alm in einer Hängematte zu schaukeln. Obwohl man hier nicht einmal chatten kann.

Die Inszenierung kommt mit wenigen witzigen Requisiten aus, von denen Megaphone die wichtigsten sind. Durch die dem Publikum gebetsmühlenartig zugeplärrt wird, dass Wölfe nicht böse, sondern ganz lieb sind, weil sie nämlich Hasen sind. Angsthasen, die sich in die Hosen machen vor den doofen Bauern, die ihnen ans Fell wollen. Um wie zur Bestätigung mediale O-Töne einzuspielen, suggestiv kommentiert mit dem Sager „Glaubt nicht alles, was ihr hört“.

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Bisweilen ist Raoul Biltgens „Wolf!“ wirklich lustig, oft unfreiwillig komisch und noch öfter ist es schlicht und einfach nur ärgerlich, wie unreflektiert hier mit einem heiklen Thema umgegangen wird.

Weitere Aufführungen am 18., 20., 21., 22., 23., 24., 25., 27., 28. Juli und 1. August, jeweils 18 Uhr.


Kommentieren


Schlagworte