Herbeigelogene Wahrheiten: Xenia Hausner in der Wiener Albertina

Nach Xenia Hausners Personale in der Wiener Albertina wird wohl niemand mehr ihren Ruf als eine wichtige österreichische Malerin anzweifeln.

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In der Wiener Albertina: Xenia Hausners 2003 in Mischtechnik auf Papier gemaltes Bild „Das weibliche Maß“.
© Stefan Liewehrt/Studio Xenia Hausner/Bildrecht Wien 2021

Von Edith Schlocker

Wien – Dass die Wiener Malerin Xenia Hausner das ganz große Theater mag, ist unübersehbar. Die opulente, von kräftigen Farben dominierte, formal exakt choreografierte Inszenierung auf riesigen Leinwänden oder Papieren. Menschen sind das ausschließliche Thema der inzwischen 70-jährigen gelernten Bühnenbildnerin, der als Tochter des Phantastischen Realisten Rudolf Hausner die Liebe zur Kunst sozusagen in die Wiege gelegt worden war.

Um sich allerdings nicht wie ihr Vater im Surrealen umzutun, sondern im sehr Realen. Die Settings, in denen Xenia Hausner ihre Menschenbilder zelebriert, basieren allerdings auf aufwändigen dreidimensionalen, mit realen oder fotografierten Versatzstücken möblierten Installationen, die zu so etwas wie „Proberäumen“ für die Personen werden, um die es in den Bildern letztlich geht.

Um auf der Illusionsebene der Malerei Bildgeschichten zu erzählen, die berührend persönlich oder hochpolitisch aufgeladen sein können. Ihr gehe es um die Vermessung der Welt aus weiblicher Sicht, sagt die Künstlerin, um selbstbewusste Frauen, die hinschauen, den Finger in Wunden legen. Da geht es um Beziehungskisten, um Ankünfte genauso wie Abschiede, um Hoffnungen, Liebe und Tod. Wenn sie in dem Bild „Liebestod“ etwa den Abschied von ihrem Vater malend zu bewältigen versucht, indem sie diesen zum Schauspiel stilisiert. Aufgeladen mit einem hohen Maß an Pathos, das Hausner so mag.

Selbst wenn sie sich eines so unglamourösen Themas wie jenem von Flucht und Exil annimmt. In dem zwar scheinbar reale Menschen zerrissen zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit aus Zügen winken, man als Betrachter dieser Bilder aber sofort spürt, dass es hier letztlich um den entwurzelten, vor sich selbst flüchtenden Menschen schlechthin geht.

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In letzter Konsequenz sind Xenia Hausners Bilder Stillleben. Selbst als Porträtistin der Schauspielerin Sunnyi Melles, deren Kopf sie effektvoll aus blau-weiß gestreiften Stoffbahnen auftauchen lässt. Oder in dem wunderbar traurigen, bereits in den frühen 1990er-Jahre entstandenen Bildnis von Renate Anker, einer dem Tod geweihten stolzen Frau, die für das Modellsitzen noch einmal all ihre Kräfte aufgeboten hat.

An das Selbstporträt von Maria Lassnig, in dem sie sich eine Pistole an die eigene Schläfe hält, während sie mit der anderen Hand auf den Betrachter zielt, erinnert Hausners „Kopfschuss“. Statt Ironie hier allerdings von tiefer Resignation geprägt.

„True lies“ nennt Hausner ihre große Personale in der Albertina. Im Wissen, dass den Menschen letztlich die Suche nach Wahrheit antreibt. Doch sie lüge mit Bedacht, sagt die Künstlerin, lüge doch jedes gelungene Kunstwerk die Wahrheit herbei. Wobei ihre erfundenen Geschichten solche seien, die der Betrachter mit seinem eigenen Leben zur Deckung bringen kann.


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