Wirtshaus-Geschichten aus Innsbruck: Es wird ein Wein sein ...

Historischen Innsbrucker Wirtshäusern widmet das Stadtmuseum seine Sonderausstellung. Die soziale, aber auch politische Bedeutung wird beleuchtet.

  • Artikel
  • Diskussion
In der Ausstellung sind alte Bierflaschen zu sehen (oben links). Eine Speisekarte aus dem Chili, auf der sowohl Preise in Schilling als auch in Euro aufgelistet sind (oben rechts). Der Verein der Hotelkommissionäre Innsbrucks (unten links). Eine Rauschkarte mit der wackeligen Ansicht der Maria-Theresien-Straße.Fotos:
© Stadtarchiv/Stadtmuseum

Von Alexandra Plank

Innsbruck – Spricht man von Gasthäusern oder von Wirtshäusern, und worin besteht der Unterschied? „Diese philosophische Frage konnten wir nicht klären“, sagt Niko Hofinger, der mit Renate Ursprunger die Schau „Lokal – Geschichten. Nüchternes aus ehemaligen Innsbrucker Gasthäusern“ kuratiert hat. Der Scherz, wonach im Wirtshaus der Wirt das Sagen hat, im Gasthaus hingegen der Gast König ist, wird reichen müssen. In der Ausstellung werden beide Begriffe abwechselnd verwendet.

Ungleich interessantere Aspekte gilt es zu beleuchten. In Gasthäusern trafen sich Vereine, Kartenspieler und Musiker. Der Stammtisch war zu allen Zeiten jenen vorbehalten, die quasi zum Inventar zählen. So wie es auch heute noch Schilder kundtun: „Da hocken die, die da immer hocken.“ Exponate wie Speisekarten von der Jahrhundertwende zeugen von heute ungewohnt anmutenden Gerichten wie Kapaunen (Masthähnen) oder relativieren das Vorurteil, dass mit der Euroumstellung eine Preisexplosion erfolgt sei.

Früher waren gewisse Wirtshäuser in Innsbruck auch bestimmten politischen Parteien zugeordnet.
Niko Hofinger (Historiker)

Doch nicht nur das soziale Leben spielte sich in den Wirtshäusern ab, sie waren auch Orte heftiger politisch-weltanschaulicher Auseinandersetzungen. Das zeigt etwa die „Höttinger Saalschlacht“. „Früher waren gewisse Wirtshäuser bestimmten Parteien zugeordnet“, erläutert Hofinger. Bei der „Höttinger Saalschlacht“ kam es am 27. Mai 1932 zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Nazis und Aktivisten der Arbeiterbewegung. Auch in der Nachkriegszeit dienten Gasthäuser weiter allen politischen Parteien als Versammlungsorte.

Die Bedeutung der Gastgärten für das städtische Flair steht im Zentrum des zweiten Teils der Ausstellung. In Wilten gab es früher fast an jeder Ecke ein Gasthaus mit Garten, was Einfluss auf die Innenhofatmosphäre hatte. „Die Innsbrucker Symphoniker zogen von Gastgarten zu Gastgarten“, weiß Hofinger.

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Immer waren Wirtshäuser auch Orte der Kultur, im Speziellen von Tanzabenden, Konzerten oder Theateraufführungen. „Wir haben uns auf die nicht mehr existierenden Gasthäuser des 20. Jahrhunderts konzentriert“, sagt der Kurator. Im Gasthaus Breinössl fand etwa die Uraufführung von Felix Mitterers „Kein Platz für Idioten“ statt. Einen Blick hinter die Kulissen, in die Arbeitswelt der Mitarbeiter, der Köche, Schankhilfen und Kellner, wird ebenso gewagt wie auf das Thema Rausch. Das Stadtarchiv besitzt einige Karten, die selig heimwärts torkelnde Menschen zeigen. „Auf einer Karte steht: Ganz so schlimm war es nicht“, sagt Hofinger. Das erinnert fast an Instagram-Posts vom Ballermann.

Auch wenn all diese Gasthäuser nicht mehr existieren, das Motto eines Wienerliedes gilt weiterhin: „Es wird ein Wein sein und wir wearn nimma sein.“ Die Ausstellung im Stadtmuseum läuft noch bis 25. Februar 2022.


Kommentieren


Schlagworte