Klare Anti-Postkartenblicke: Toni Schade mit Fotoausstellung „Neonatur“

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„Wartungsgebäude“, 2017 von Toni Schade fotografiert (Ausschnitt).
© Schade

Innsbruck – Das Unsichtbare fühlbar zu machen, ist das ehrgeizige Ziel, das sich der seit vielen Jahren in Innsbruck lebende gebürtige Genfer Toni Schade als Fotograf vorgenommen hat. Wobei die Tatsache, dass der 39-Jährige eigentlich von der Architektur herkommt, unübersehbar ist. Spielt Gebautes doch eine zentrale Rolle in seinen Fotografien, allerdings keine spektakulären Architekturen und auch nicht die Zuckerseiten weniger spektakulärer, sondern ihre Hinterhöfe. Um festzustellen, dass diese Kehrseiten durch das durch die Globalisierung befeuerte Sterben autochthoner Bautraditionen praktisch auf der ganz en Welt gleich ausschauen. Weshalb die Sujets eigentlich nur an Autonummern, Geschäftsschildern oder dem Augenschnitt von Menschen einigermaßen verortbar sind.

Es ist der Anti-Postkartenblick, der Schade interessiert, das Unglamouröse, Anonyme. Dazu passt, dass die Himmel immer diffus grau sind, auch in jenem Zyklus, in dem der Künstler im Alpinen unterwegs ist. Um Infrastrukturen wie Lawinenverbauungen, Staumauern und Kraftwerke zum Bildinhalt zu machen. Bauwerke, die von Menschen für Menschen gemacht sind, allerdings in Opposition zur Natur. Sozusagen künstliche Naturen, die komplett anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegen. Toni Schades Blick ist allerdings kein anklagender, sondern ein um Objektivität bemühter, um zum Nachdenken über diese „Neonaturen“ zu animieren. (schlo)

Galerie 6020. Amraser Straße 2, Innsbruck; bis 28. August, Mo–Mi 14–19, Do, Fr 10–19, Sa 10–17 Uhr.

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