Titelkampf wird schmutzig: Verstappen muss sich erholen und giftet

Silverstone hinterlässt Spuren. Nach einer Kollision mit Max Verstappen schlägt Lewis Hamilton im WM-Kampf zurück. Verstappen muss zur Vorsicht ins Krankenhaus - Red Bull ätzt gegen Hamilton.

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Angeschlagen kletterte Verstappen aus seinem zerstörten Red-Bull-Boliden.
© Mark Sutton via www.imago-images.de

DER TITELKAMPF WIRD SCHMUTZIG

Nach dem folgenschweren Zweikampf zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton schimpfte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Der Chef von Verstappen warf Hamilton „schmutziges Fahren“ vor. „Copse ist eine der schnellsten Kurven der Welt“, sagte Horner.

Hamilton habe sich aber bei Tempo 290 an der Innenseite vorbeizwängen wollen, obwohl er nicht mal gleichauf mit Verstappen war. „Gott sei Dank hatten wir keinen Fahrer, der ernsthaft verletzt wurde oder sogar Schlimmeres“, meinte Horner weiter. „Das war ein verzweifelter Schachzug.“ Verstappen schied nach der ersten Runde aus, Hamilton verkürzte mit seinem Sieg den WM-Rückstand auf acht Punkte.

„Nie macht nur einer zu 100 Prozent allein einen Fehler, es gehören immer zwei dazu“, befand Hamilton. „Ich denke nicht, von meinem jetzigen Verständnis aus, dass ich in der Position bin, mich entschuldigen zu müssen.“ Er sei aber besorgt, dass Verstappen ins Krankenhaus musste.

VERSTAPPEN MUSS SICH ERHOLEN UND GIFTET

Am späten Sonntag gab Verstappen endgültig Entwarnung. „Wurde aus dem Krankenhaus entlassen, nachdem alle Untersuchungen in Ordnung waren. Vielen Dank an alle für all die netten Nachrichten und besten Wünsche“, twitterte er. Einige Stunden zuvor hatte er aus dem Hospital schon eine Gift-Nachricht geschickt. „Bin froh, dass es mir gut geht. Ich bin sehr enttäuscht, dass ich so rausgenommen wurde“, schrieb der Niederländer, der nach seinem Crash in den Reifenstapel stets bei Bewusstsein war und vorsorglich wegen einer möglichen Gehirnerschütterung untersucht wurde.

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In Richtung Hamilton, der eine Zehn-Sekunden-Strafe für das harte Manöver bekam, ätzte er in den Sozialen Medien: „Die erteilte Strafe hilft uns nicht weiter und wird der gefährlichen Bewegung, die Lewis auf der Strecke gemacht hat, nicht gerecht. Sich die Feierlichkeiten anzusehen, während man noch im Krankenhaus ist, ist respektloses und unsportliches Verhalten, aber wir machen weiter.“ Verstappens Teamchef Christian Horner schloss nicht mal aus, gegen die nach seiner Einschätzung zu geringe Strafe Hamiltons vorzugehen. Höchstens im Fall neuer Beweise könnte eine Anfechtung allerdings etwas bringen.

HAMILTON RASSISTISCH BELEIDIGT

Hamilton ist während und nach dem Formel-1-Rennen in Silverstone mehrfach in den Sozialen Medien rassistisch beleidigt worden. Dies teilten die Formel 1, der Motorsport-Weltverband FIA und Hamiltons Rennstall Mercedes am Montag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Die Beschimpfungen standen im Zusammenhang mit der Kollision des Engländers mit Red-Bull-Pilot Max Verstappen.

Der britische TV-Sender Sky berichtete von rassistischen Mitteilungen wie „Affen-Emojis“, die als Antwort auf einen Instagram-Post gesendet wurden, in dem Mercedes den Erfolg Hamiltons am Sonntag feierte. „Die Formel 1, die FIA und das Mercedes-AMG Petronas F1 Team verurteilen dieses Verhalten auf das Schärfste. Diese Leute haben keinen Platz in unserem Sport und wir fordern, dass die Verantwortlichen für ihre Handlungen zur Rechenschaft gezogen werden“, hieß es in der Erklärung.

LECLERC KANN BEI FERRARI FÜR ÜBERRASCHUNGEN SORGEN

Charles Leclerc war so nah dran. Erst zwei Runden vor Schluss konnte der Ferrari-Fahrer dem Dauerdruck von Lewis Hamilton nicht mehr standhalten und musste den Mercedes-Mann zum Sieg passieren lassen. „Ich habe die Pace von Lewis quasi hören können“, meinte Leclerc, der von „50 Prozent Frust und 50 Prozent Freude“ sprach. Nur 3,9 Sekunden fehlten dem Monegassen, der während des Rennens über Motorenprobleme klagte, zu seinem dritten Grand-Prix-Sieg. Immerhin sprang für Leclerc mit Rang zwei das erste Podium seit fast einem Jahr heraus, in Silverstone war er 2020 Dritter geworden.

Pressestimmen zum Großen Preis von Großbritannien

GROSSBRITANNIEN:

„Daily Mail“: „Kaum eine Maske in Sicht, die Sonnencreme knapp und Spaß in der Sonne ... Silverstone heißt 140 000 Fans zum Großen Preis von Großbritannien willkommen und gibt der Nation viel zu jubeln über den folgenden dramatischen Sieg Lewis Hamiltons.“

„The Sun“: „Lewis Hamilton hat den britischen Grand Prix in Silverstone gewonnen. Aber es geschah auf eine kontroverse Weise, nachdem er mit Max Verstappen zusammenstieß, in einem Unfall, der den Spitzenreiter der Gesamtwertung aus dem Rennen warf.“

„The Guardian“: „Silverstone hatte Drama, Unfall, Kontroverse zu bieten und ein Renn-Comeback, das eines Weltmeisters würdig ist, der seinen Titelkampf wieder entfacht hat, nachdem er definitiv klargemacht hat, dass er keinen Zoll in dieser Saison mehr nachgeben wird.“

ITALIEN:

„La Gazzetta dello Sport“: „Sieg Nummer 99 für Lewis Hamilton, der das Wochenende des Heim-Grand-Prix mit einem Sieg krönt, der die Weltmeisterschaft wieder offen macht, die bis heute fest in den Händen Max Verstappens war.““

„Corriere dello Sport“: „Lewis Hamilton schafft es am Ende. Der Brite triumphiert im Großen Preis von Großbritannien, zehntes Treffen der Formel-1-Saison, indem er eine Aufholjagd abschließt, nach der Strafe für den Unfall zu Beginn, der Max Verstappen zum Rückzug gezwungen hat. Auf dem zweiten Platz ein großartiger Charles Leclerc, der sich erst zum Schluss dem amtierenden Weltmeister und Hausherrn geschlagen gibt.“

„Tuttosport“: „Der amtierende Weltmeister setzt sich auf der Rennstrecke von Silverstone durch, dank einer schönen Aufholjagd nach der 10-Sekunden-Zeitstrafe für den Unfall mit Max Verstappen in der ersten Runde. Auf dem zweiten Platz ein hervorragender Charles Leclerc, der sich erst am Schluss beugt und den Sieg mit seinem Ferrari bis zum Ende vor Augen hat.“

SPANIEN:

„Marca“: „Es hieß in Silverstone Sieg oder Tod für Lewis Hamilton, der zu Max Verstappen in der ersten Runde Basta sagte (...) Der Engländer weigerte sich vor heimischem Publikum, den Fuß vom Gas zu nehmen, und seine Verbissenheit führte zu einem brutalen Unfall mit dem Holländer.“

„As“: „Zusammenstoß der Züge: Verstappen endet im Krankenhaus nach einer Berührung mit Hamilton, der bestraft wurde. Selbst so gewann Lewis vor einem gewaltigen Leclerc.“

FRANKREICH:

„L‘Équipe“: „Lewis Hamilton ist wieder zum Propheten im eigenen Land geworden. Seit dem Großen Preis von Spanien sieglos, schaffte es der Mercedes-Pilot, sich stärker als die Elemente zu erweisen, um am Sonntag den achten Sieg in Silverstone einzufahren.“

SCHWEIZ:

„Blick“: „Dieses Rennen ist noch nicht zu Ende. Tagelang werden die Fans und Medien über den Horror-Crash zwischen Hamilton und Verstappen diskutieren. Da wurde der grossartige 99. GP-Sieg des Briten – nach fünf Niederlagen – fast in den Hintergrund gedrängt.“


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