Das große Aufräumen nach dem Hochwasser hat begonnen

Die Schadenhöhe in Kufstein nach der Hochwasserkatastrophe ist noch nicht absehbar. Die Stadt hat eine Anlaufstelle für Hilfesuchende eingerichtet. In der Kelchsau hofft man auf den raschen Bau der Ersatzbrücke.

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Seit Sonntag kämpfen Hunderte Kufsteiner gegen den Schlamm.
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Von Wolfgang Otter und Michael Mader

Kufstein – Die Spuren des verheerenden Hochwassers in der Nacht auf Sonntag sind in der Kufsteiner Innenstadt noch sichtbar. Aber langsam beginnt wieder so etwas wie Normalität einzuziehen. Die Gastgärten füllen sich, obwohl Feuerwehrautos unterwegs sind und Bewohner die Keller ausräumen. Bis zu 160 Liter Regen pro Quadratmeter haben die drei innerstädtischen Bäche anschwellen lassen. Sie nahmen Steine, Bäume und Schlamm mit ins Tal und verlegten die teils überbauten Bachbette, das Wasser suchte sich einen Weg über die Straßen.

📽️ Video | Aufräumen in Kelchsau

Daher sind seit Samstagnacht die Kufsteiner Feuerwehrmänner im Dauereinsatz, verstärkt von einer Armada von Feuerwehren aus ganz Tirol. „Ich bin zuversichtlich, dass wir heute Abend noch fertig werden“, sagte gestern Kommandant Hans-Peter Wohlschlager. Hinter den Helfern liegen gewaltige Anstrengungen. Bürgermeister Martin Krumschnabel weiß von 250 Hilfeersuchen von Kufsteinern – bis Sonntag. Bis Montag dürften es noch mehr geworden sein.

Die Stadt hat daher mit dem Freiwilligenzentrum KUUSK eine Anlaufstelle für Personen, die helfen wollen oder die Hilfe brauchen eingerichtet (05372/21185).

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Aufräumarbeiten in Kufstein

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Während bei den einen liebgewonnene Erinnerungen weggeschwommen sind, bangen die anderen um ihre Existenz. So mancher Gastronomiebetrieb, ohnedies gebeutelt von der Corona-Pandemie, muss mehr oder weniger einen Totalschaden im Lokal verzeichnen. Zum Schock und der Angst in der Katastrophennacht mischen sich nun auch noch gewaltige wirtschaftliche Sorgen. Wie hoch der Schaden ist, kann Krumschnabel nicht einmal raten. „Aber er ist sicher enorm“, sagt der Bürgermeister. Die Stadt sammelt derzeit die Schadensmeldungen.

Zugleich hört man auf den Straßen auch immer öfter die Frage: „Wie konnte das passieren?“ An ein solches Ausmaß kann sich auch ein 82-jähriger Bachanrainer nicht erinnern. Laut Kufsteins BH Christoph Platzgummer sind Geologen damit beauftragt, den Kufsteiner Hausberg und die Bachläufe zu untersuchen. Auch der Gemeinderat arbeitet bereits ein Projekt, das aus dem Gefahrenzonenplan entstanden ist, aus. Dabei ist übrigens der Stadtpark als gelbe Zone eingestuft. Das hat sich Samstagnacht bestätigt, als er überflutet wurde.

In Wörgl kündigte BM Hedi Wechner an, den Ausbau der mobilen Sofortschutzmaßnahmen voranzutreiben sowie vermehrt „das Augenmerk auf vermeintlich ungefährliche Rinnsale und ,Bächlein‘ im Stadtgebiet“ zu richten“. Sie ruft auch dazu auf, den Innhochwasserschutz rascher zu realisieren.

Denkbar knapp ging es in der Kelchsau her: Die ausufernde Kelchsauer Ache kam gefährlich nahe an mehrere Wohnhäuser.
© Andreas Prosch

Grundversorgung für Kelchsau über Notweg

Als wesentlich besser bezeichnete Hopfgartens Bürgermeister Paul Sieberer die Situation am Montagvormittag nach einem Lokalaugenschein mit LHStv. Josef Geisler im immer noch abgeschnittenen Ortsteil Kelchsau mit seinen rund 700 Bewohnern. Die Kommission hatte sich vor Ort ein Bild von den Schäden gemacht. „Die Straße und die Brücke haben jetzt Priorität“, erläutert Geisler. Wie berichtet, hat die Kelchsauer Ache ja Teile der Landesstraße weggerissen und auch die Lichtenauer Brücke wurde großteils zerstört. Die Straße wird sukzessive ab Hopfgarten freigeräumt und gesichert, wobei das Ausmaß der Schäden noch immer nicht zur Gänze feststellbar ist, heißt es seitens des Landes.

Die Kelchsau kann auf normalem Weg nach wie vor nicht erreicht werden, die Grundversorgung bzw. die Belieferung des Nahversorgers in dem Ortsteil erfolgte über einen Notweg. Die meisten Haushalte haben bereits wieder Strom und Wasser. Geisler: „Das Baubezirksamt ist gerade dabei, eine Brücke anzuliefern, die das Land für solche Fälle bereithält.“ Damit soll rund 30 Meter talauswärts eine Ersatzbrücke geschaffen werden. Sieberer dämpft allerdings allzu große Hoffnungen: „Trotzdem wird es vermutlich noch ein paar Tage dauern, weil es auch etwas an Vorbereitungsarbeit an dieser Stelle bedarf.“ Dazu muss auf der Uferseite des Ortsteils Kelchsau das vorhandene schwere Gerät genutzt werden, um eine Zufahrtsrampe und ein Brückenwiderlager zu errichten. Alle würden jedoch unter Hochdruck arbeiten, versichern Sieberer und Geisler.

Enorme Schäden

Die Schäden in den betroffen Gebieten in Österreich sind enorm und nicht abzuschätzen. Allein die Hagelversicherung beziffert die verursachten Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen mit rund 5 Millionen Euro. Die Wiener Städtische Versicherung geht allein für ihre Versicherten zusätzlich von zehn Millionen Euro aus.

„Die Brücke, die zuletzt für kurze Zeit in Scheffau im Einsatz war, wird in Stücken über den Glantersberg gebracht“, weiß der Leiter des Baubezirksamtes Kufstein, Erwin Obermaier. Zum Glück sind auf der Großbaustelle der Gemeinde Hopfgarten in der Kelchsau Ressourcen wie etwa riesige Steine vorhanden. So müssen diese nicht extra umständlich in das Tal gebracht werden. Trotzdem ist Obermaier froh, wenn die Brücke nächste Woche fertig wird.

Anders ist die Situation bei der Landesstraße, wo die Einschätzung schwer ist. Obermaier: „Da arbeiten wir uns Kurve für Kurve vor.“


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