Im Vorjahr starben in Tirol 21 Menschen durch Drogen, jüngstes Opfer 13 Jahre alt

Am heutigen Gedenktag für verstorbene Drogenkonsumenten fordert die Plattform „Drogentod ist kein Schicksal“ bessere Rahmenbedingungen für Suchtkranke.

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Im Vorjahr sind mehrere junge Konsumenten in Tirol durch Drogen gestorben. Das jüngste Opfer war erst 13 Jahre alt.
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Innsbruck – Der 21. Juli steht unter einem traurigen Motto. Heute ist der Gedenktag für verstorbene Drogenkonsumenten. Für den Drogenarbeitskreis Tirol der Anlass, um ab 18 Uhr am Kaiserschützenplatz im Stadtteil Wilten erstmals in Innsbruck eine Gedenkfeier zu veranstalten. Die Plattform „Drogentod ist kein Schicksal“, die nach dem Tod der mit 13 Jahren jüngsten Tiroler Konsumentin im Vorjahr gegründet wurde, nützt den Gedenktag aber auch, um die Politik in die Pflicht zu nehmen. „Viele Drogentote könnten mit anderen Rahmenbedingungen vermieden werden“, sagt Plattform-Sprecherin Daniela Weissbacher.

Wie Katja Tersch, Leiterin des Landeskriminalamtes bestätigt, sind allein im Vorjahr in Tirol „21 Menschen an den Folgen des Suchtmittelkonsums gestorben, 18 Opfer waren männlich, drei weiblich.“ Der Wert entspricht dem langjährigen Durchschnitt. Die meisten Opfer waren 2011 zu beklagen (30 Tote), die wenigsten im Jahr 2004 (elf Opfer).

Für Daniela Weißbacher ist die Opferbilanz dennoch viel zu hoch: „Die hohe Sterblichkeit von Suchtmittelkonsumenten ist auch eine Folge der repressiven Drogenpolitik, die die Menschen kriminalisiert, an den Rand der Gesellschaft drängt und wirksame Maßnahmen zur Reduzierung der Todesrate verhindert.“ Die Plattformsprecherin macht vor allem die Illegalität der Drogen dafür verantwortlich: „Dadurch ist der Markt außer Kontrolle.“ Und das führt dazu, „dass die Konsumenten nicht wissen, was die Drogen tatsächlich enthalten. Außerdem werden mittlerweile Substanzen beigemengt, die lebensgefährlich sind“, sagt Weißbacher.

Gefährdet seien vor allem sehr junge, unerfahrene Konsumenten: „Für die ist es viel einfacher als früher, in kürzester Zeit an Suchtmittel aller Art zu gelangen.“ Das Internet macht’s möglich, „dafür muss man nicht einmal ins Darknet einsteigen“. Dazu kommt, dass vor allem Jugendliche keine Ahnung von der Wechselwirkung unterschiedlicher Drogen haben. „Für die Party am Abend nehmen sie Speed und am Morgen zum Einschlafen einen Downer“, erklärt Weißbacher: „Dabei wissen sie nicht, dass sie durch den Mischkonsum eine Trombose erleiden können.“ Für die Plattform-Sprecherin ist es daher kein Zufall, dass im Vorjahr mehrere sehr junge Tiroler unter den Drogenopfern waren. Eine Verbesserung wäre für Weißbacher auch, Heroin statt der Ersatzmedikamente an Suchtkranke auszugeben. „In der Schweiz und teils auch in Deutschland wird das bereits gemacht, die Erfahrungen sind gut.“ Den Konsumenten sei es so wieder möglich, einer geregelten Arbeit nachzugehen.

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