Verletzte Zweibeinkreaturen: „Vater“ von Ekkehard Schönwiese

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Seine Enttäuschung hinauszuschreien, hilft – vielleicht. Sepp (Alexander Mitterer, l.) und Kaspar (Harald Schröpfer).
© Victor Malyshev

Von Markus Schramek

Telfs – Das Warten auf einen Typen, der nie aufkreuzt, kennen wir aus Samuel Becketts „Godot“. Seither wissen wir: Zeit totschlagende Herpasserei kann als Theaterstoff durchaus spannend sein. Das Zwei-Personen-Stück „Vater“ bei den Telfer Volksschauspielen fügt sich in diese Warte-Reihe ein.

Auf der Terrasse der Villa Schindler, unter freiem Himmel, matchen sich die Darsteller Harald Schröpfer (als Kaspar) und Alexander Mitterer (Sepp) in einem intensiven 90-Minüter. Sie mimen zwei gebeutelte Zweibeinkreaturen, Lebenskünstler mit wenig Geld, aber wachem Geist. Sie warten auf ihren Kompagnon Till, einen tatsächlichen Künstler, den Schalk stets im Nacken. Er heißt wohl nicht zufällig so wie Herr Eulenspiegel.

Maler Till glänzt bei der eigenen Vernissage durch Abwesenheit. Peinlich, peinlich, haben sich doch einige Zaungäste eingefunden. So beginnen die Sidekicks Sepp und Kaspar Szenen aus Tills Leben nachzuspielen, vor allem über dessen Verhältnis zum Vater. Nach und nach mischen sich eigene – bittere – Erfahrungen darunter. „Als Vater hat man eine feste Burg zu sein“, sagt Sepp und lässt durchblicken, dass er an dieser Vorgabe gescheitert ist.

Tills Vater kommt gebrochen aus dem Krieg zurück: ein Eigenbrötler, der mit der Natur spricht und sein Umfeld provoziert. Die Schrecken des Erlebten reicht der Vater an den Sohn weiter, indem er Kartoffelkäfern den Krieg erklärt.

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Das Verhältnis ist innig. Till tritt in die Fußstapfen des Seniors. Mit einer aktionistischen Darstellung des Gekreuzigten sorgt der erwachsene Sohn für einen Aufruhr, seine Bilder werden kurz und klein geschlagen. Was Kunst ist, entscheiden hier andere.

„Vater“, dramatisiert von Ekkehard Schönwiese, basiert auf einer Erzählung von Künstler Hans Salcher, der in der Villa Schindler aktuell eine Auswahl von Bildern zeigt.

Das Stück (Regie: Wolfgang Hagemann) lebt von zwei Schauspielern, die mit viel Einfühlungsvermögen ein eindrückliches Vater-Sohn-Geflecht entstehen lassen. Ein starker Theaterabend.


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