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TT-Analyse zum Wettlauf ins All: Die Superreichen greifen nach den Sternen

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Jeff Bezos flog am Dienstag ins Weltall. Nach nur etwa zehn Minuten landeten der Amazon-Gründer und sein Team wieder auf der Erde.
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Matthias Christler

Analyse

Von Matthias Christler

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Völlig losgelöst von der Erde schwebt das Raumschiff – völlig losgelöst von den Problemen der Erde. Waldbrände in den USA und in Russland, Hochwasser-Tote in Deutschland, die Klima-Katastrophe nimmt immer mehr Gestalt an. Und der reichste Mann der Welt lässt sich in so einer Zeit in den Weltraum schießen. Wie abgehoben kann ein Milliardär sein? Der Flug von Jeff Bezos und jener von Richard Branson vor zehn Tagen markieren den Beginn der privaten Reisen in den Weltraum. Sie gelten jedoch vor allem als Ego-Trips der Superreichen.

Doch eines darf in der Diskussion nicht außer Acht gelassen werden: der Pioniergeist. So pathetisch das klingt, das ist bei der Aussicht auf ein lukratives Geschäft ein weiterer Antrieb für Branson, Bezos und nicht zuletzt Elon Musk. Schon Automobilpionier Henry Ford sagte: Ein Geschäft, das nur Geld einbringt, ist ein schlechtes Geschäft. Natürlich wollen die Superreichen noch reicher werden, aber ein Visionär denkt weiter. Dass solche Menschen oft schwierige Charaktere mit übergroßen Egos sind, ist gut dokumentiert. Ford war starrköpfig, ein Antisemit, aber seine Ideen haben die Mobilität verändert. Albert Einstein war privat ein „Ungustl“. Und Christoph Kolumbus wird als grausam und korrupt beschrieben.

Branson, Bezos und Musk wollen auch in die Geschichte eingehen. Ihr Konkurrenzkampf erinnert an den Wettlauf zum Mond. Eigentlich als Nebenfront des Kalten Krieges gestartet, ist die Mondlandung immer noch eines der prestigeträchtigsten Ereignisse der Menschheit. Nicht nur das. Ohne die damaligen Fortschritte wären Raketen- und Satellitentechnologien heute weniger weit. Dadurch wüsste der Mensch z. B. weniger Bescheid über den Klimawandel und wie man gegensteuern kann.

Jetzt greifen statt zwei Großmächten drei Superreiche nach den Sternen. Ob ihr Fortschritt auch der Menschheit dient, wird sich erst weisen. Bei Bezos wirkt es noch geradezu zynisch, wenn man die Arbeitsverhältnisse bei Amazon bedenkt oder wie wenig Steuern der Onlinehändler zahlt. Und der Gründer gönnt sich einen milliardenteuren Kurz-Trip in den Weltraum.


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