Corona-Hilfen retteten laut Wifo Jobs und Betriebe

Staatliche Hilfsmaßnahmen, Stundungen und Banken hätten gemeinsam eine Pleitewelle verhindert. Fixkostenzuschuss war zu Beginn „ungeeignet“.

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Der Lockdown-Umsatzersatz habe für rasche Liquiditätshilfe bei den Unternehmen gesorgt, eröffnete auch Spielraum für Überförderung.
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Wien – Die staatlichen Hilfsmaßnahmen in der Corona-Krise haben laut einer aktuellen Wifo-Studie Liquiditätsengpässe von Unternehmen verkleinert, den Beschäftigungsabbau deutlich verringert und eine Pleitewelle verhindert. Jedoch waren laut den Wirtschaftsforschern nicht alle Instrumente geeignet, um den Unternehmen rasch finanzielle Hilfe zukommen zu lassen. Der heimische Bankensektor wurde gelobt.

Die regulatorischen Kennzahlen des Bankensektors hätten sich im Laufe des Jahres nicht verschlechtert, erst im zweiten Halbjahr 2020 habe eine Verschärfung der Kreditrichtlinien eingesetzt, schreiben die Wifo-Ökonomen in ihrer Analyse der Wirkungen des Covid-19-Maßnahmenpaketes auf die Unternehmensliquidität. Der Vergleich einzelner Szenarien zeige, dass die Hilfsmaßnahmen die Liquiditätslücke der Betriebe so weit verkleinerten, dass in Verbindung mit den staatlichen Haftungen eine Pleitewelle verhindert wurde.

Unter den untersuchten Wirtschaftshilfen bekommt der Fixkostenzuschuss kein gutes Zeugnis. „Der Fixkostenzuschuss erscheint – in der gewählten Ausgestaltung – retrospektiv zur Stabilisierung einer akuten Liquiditätskrise als ungeeignet“, heißt es. Die restriktiven Vorgaben für den Fixkostenzuschuss seien damals im Hinblick auf die Vermeidung von Missbrauchsfällen gemacht worden, dies habe aber in einer Phase mit hohem Liquiditätsbedarf zur Verschleppung von Antragstellung und Auszahlung beigetragen. Die vergleichsweise niedrige Inanspruchnahme des mit 12 Mrd. Euro dotierten Rahmens deute „auf ein schlechtes Design hin“, so die Wifo-Ökonomen. Bis Jahresende 2020 seien im Rahmen des Fixkostenzuschusses 0,5 Mrd. Euro an 67.300 Unternehmen ausgezahlt worden.

Einen deutlich höheren Mittel-Zufluss an die Betriebe brachte hingegen der „einfach und großzügig“ ausgestaltete, Ende 2020 eingeführte Lockdown-Umsatzersatz. Innerhalb von zwei Monaten seien an 99.300 Unternehmen 1,9 Mrd. ausgezahlt worden. „Die lockere Gestaltung der Antragsbedingungen eröffnete jedoch einen Spielraum zur Überförderung von Unternehmen, d. h. von Unternehmen, deren Covid-19-bedingte Umsatzausfälle niedrig blieben“, schreibt das Wifo.

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Zufrieden mit den Resultaten zeigte sich Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP), der die Studie in Auftrag gegeben hat: „Unsere schnellen und unbürokratischen Hilfsinstrumente waren treffsicher und hatten den gewünschten Effekt, Liquidität in den Unternehmen zu sichern.“ Damit seien viele Unternehmen vor der Insolvenz bewahrt worden, so der Finanzminister. Blümel verwies auch auf die Ergebnisse der Wifo-Szenarienanalyse. Demnach wäre ohne Krisenmaßnahmen der Anteil der Unternehmen mit Liquiditätsschwierigkeiten von rund 8,1 Prozent in „normalen“ Zeiten auf 15,4 Prozent in der Corona-Krise gestiegen. Mit den staatlichen Corona-Hilfen sei dieser Wert bei 9,9 Prozent gehalten worden. Außerdem seien „zahlreiche Arbeitsplätze“ gesichert worden.

Der Finanzminister bedankte sich auch beim Bankensektor, dass er in der „unvorhersehbaren Zeit“ seiner „Verantwortung nachgekommen“ sei.

Solides Wachstum bis 2025

Österreichs Wirtschaft erholt sich nach der Corona-Krise im Vorjahr und schwenkt auf einen soliden Wachstumskurs ein, so das Institut für Höhere Studien (IHS) in seiner Mittelfristprognose mit dem Titel „Die Wirtschaft überwindet den Corona-Schock“. In den Jahren 2021 bis 2025 erwartet das IHS ein Plus des realen Bruttoinlandsprodukts von im Schnitt 2,5 Prozent pro Jahr.

Nach dem tiefen Einbruch von minus 6,3 Prozent in Folge der Corona-Pandemie im Vorjahr hat die Konjunktur heuer wieder Fahrt aufgenommen. Nach einer kräftigen Erholung in den Jahren 2021 (3,4 Prozent) und 2022 (4,5 Prozent) soll die heimische Wirtschaft weiter solide wachsen. Für die Jahre 2023 bis 2025 werden Zuwächse von 1,8 Prozent, 1,4 Prozent und nochmals 1,4 Prozent erwartet.

Das kräftige Wachstum sorge auch dafür, dass es zur Konsolidierung des Staatshaushalts kein Sparpaket benötige. „Man braucht kein großes Konsolidierungsprogramm, um wieder auf einen nachhaltigen Budgetkurs zu kommen“, sagte IHS-Prognosechef Helmut Hofer im Rahmen einer Online-Pressekonferenz. Das IHS tritt vielmehr für Reformen ein. Österreich sollte stärker die Bereiche Ausbildung, Forschung und Entwicklung fördern und sich insbesondere den Problemen von Jugendlichen zuwenden, die kurz vor dem Berufseinstieg stehen und infolge der Corona-Krise potenziell nachteilige Effekte in ihrer Bildung erlitten haben. „Es gibt gröbere Kompetenzprobleme bei den wenig Qualifizierten“, erklärt Hofer, das habe vor allem mit ihrem Bildungshintergrund und auch mit Migration zu tun. „Hier wäre verstärkte Aufbauarbeit notwendig.“ Auch benötige es eine Pensionsreform.

Einen Beitrag zum Wachstum soll auch der EU-Aufbauplan liefern, das europäische Konjunkturprogramm zur Anregung von Investitionen im Bereich Digitalisierung, Ökologisierung und Bildung. Die österreichische Regierung hat einen Plan mit Maßnahmen im Umfang von 4,5 Milliarden Euro vorgeschlagen, der EU-Beitrag werde mit 3,5 Milliarden Euro gedeckelt sein. Das österreichische BIP werde laut IHS-Prognose dadurch jährlich um einen gewissen Anteil erhöht, im Jahr 2022 um 0,41 Prozent und im Jahr 2025 dann schon um 0,9 Prozent.

Tirols Industrie auf Hochtouren

Die Tiroler Industrie ist drauf und dran, die Corona-Krise hinter sich zu lassen. Mit 64 Punkten erzielt der Geschäftsklimaindex in der Konjunkturerhebung der Industriellenvereinigung Tirol das höchste Niveau seit vielen Jahren. Der Mittelwert zwischen aktueller Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden sechs Monate erreiche ein neues Hoch. „Das ist ein starkes Zeichen der Erholung und damit nähern wir uns in der Tiroler Industrie im zweiten Quartal wieder dem Vor-Corona-Niveau. Wir blicken durchaus zuversichtlich in den Herbst“, sagt Tirols IV-Präsident Christoph Swarovski.

Konkret berichten 80 Prozent der befragten Unternehmen von einem guten und kein einziges von einem schlechten Auftragsbestand. Das gilt für Inlands- und Auslandsaufträge gleichermaßen. Steigende Preise und die mangelnde Verfügbarkeit von Rohstoffen sowie Vorleistungen könnten das Wachstum in den Unternehmen in den nächsten Monaten aber bremsen, verweist Swarovski neben einem unsicheren Pandemieverlauf auf weitere Risikofaktoren.

Mit steigender Produktionstätigkeit rechnen in den nächsten drei Monaten 26 Prozent der Unternehmen. 74 Prozent der Befragten gehen von einer gleichbleibenden Lage aus. Wegen der steigenden Beschaffungskosten wollen 16 Prozent ihre Preise erhöhen, 84 Prozent möchten ihre Verkaufspreise „etwa gleich“ belassen.

Die gute Auftragslage wirkt sich auch auf den Beschäftigtenstand aus: 55 Prozent der Unternehmen wollen ihren Mitarbeiterstand unverändert lassen. 27 Prozent wollen zusätzliches Personal einstelle und 18 Prozent den Personalstand kürzen. (TT)


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