Doppelpass mit Doppelbass bei den Tiroler Festspielen Erl

Christian Muthspiel und das „Orjazztra Vienna“ gastieren erstmals bei den Festspielen Erl.

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Come on! Christian Muthspiel (Bildmitte) als Antreiber des „Orjazztra Vienna“.
© Peter Kitzbichler

Erl – Das Festspielhaus Erl ist bzw. wäre mit seiner formidablen Akustik vielseitig verwendbar. Opern und Klassikkonzerte sind im Rahmen der Sommerfestspiele Standardformate und somit Fixstarter. Doch der Konzertsaal verträgt und veredelt bestens auch ganz andere Klänge. Der Auftritt des Orjazztra Vienna unter Dirigent und Mastermind Christian Muthspiel vorgestern Dienstag unterstreicht das überdeutlich.

Muthspiels 2019 gegründetes, junges und fraglos handverlesenes Ensemble erinnert zwei anregende Stunden lang an Jazzfestivals à la Saalfelden. Es wird nach Herzenslust gegroovt und gefunkt. Mit jedem Happen wächst der Appetit: Bitte gerne mehr von dieser Art Konzert auch im Erler Festspielhaus!

17 Mitglieder umfasst das Orjazztra Vienna, mit Posaunist Alois Eberl ist ein Tiroler darunter. Sieben Frauen stehen zehn männlichen Kollegen um nichts nach. Das Schlagzeug, „das gendergerechteste der Welt“ (O-Ton Christian Muthspiel), ist mit Judith Schwarz und Marton Juhasz doppelt besetzt, was die rhythmische Bandbreite erheblich erweitert. Die Kunst des Doppelpasses – oder auch: des Doppelbasses – hält man in diesem Orchester überhaupt hoch: E-Bass (Beate Wiesinger) und Kontrabass (Judith Ferstl) vereinen sich im Stück „Open Strings“ zu einer faszinierenden Symbiose.

Apropos: In der kollegialen Masse untertauchen, das geht in dieser Selektion von Hochkarätern gar nicht. Jede und jeder tritt zumindest einmal heraus in Richtung Bühnenrand für ein improvisiertes Solo, eingebettet in die Kompositionen, die allesamt aus der Feder Christian Muthspiels stammen.

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Angetrieben vom Bandleader werden letzte Reserven abgerufen, wie bei Astrid Wiesingers ekstatischem Solo auf dem Altsaxofon. Dieses Stück trägt nicht zu unrecht den Titel „She Cries Out Loud“ .

Ein sympathisches Musikerkollektiv hat sich in Erl vorgestellt mit großer Spielfreude und einer ordentlichen Portion Spielwitz. Musizieren darf auch auf diesem hohen Niveau Spaß machen. Instrumente werden für schräge Experimente an ihre Grenzen geführt – oder auch darüber hinaus. (mark)


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