Ein „No“ zum unverstellten Blick: John Miller in der Galerie Widauer

Das Ich und der öffentliche Raum: Die Galerie Widauer lädt zur ersten Einzelausstellung von John Miller ein.

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Alltagsszenen und Stadtmotive werden von Spiegeln und dem Miller’schen Braun abgegrenzt. Miller ist derzeit bei Widauer zu sehen.
© Widauer

Innsbruck – Wirklich alleine ist man bei John Miller in der Galerie Widauer nie. Auch wenn man der einzige Gast ist, so huscht dennoch ständig das eigene Selbst über die glatten Bildflächen, die an den Galeriewänden hängen. John Miller benutzt bevorzugt Spiegel für seine Arbeiten, geht es in ihnen doch auch um das Spiegeln des Selbst im öffentlichen Raum. Bei Widauer zeigt Miller aktuell neueste Arbeiten. Es ist das erste Mal, dass die Innsbrucker Galerie ihm eine Einzelausstellung widmet.

Gezeigt wurden Millers Werke in den letzten Jahren dort immer wieder. Besonders gern gemeinsam mit dem Tiroler Richard Hoeck, mit dem Miller seit Jahren auch arbeitet. Gemeinsam ließen sie für „Grotesque“ 2010 etwa eine Schaufensterpuppe kopfüber von der in tiefstes Schwarz getünchten Decke hängen.

Nun aber steht Millers Solo-Œuvre, wie der Titel „Egocentric Preserves“ verrät, seine Auseinandersetzungen mit dem Selbst im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dafür stellt er (Street-)Fotografie, gestische Malerei und sleeke Spiegel einander im Bild gegenüber. Wie auch in seinem restlichen Werk ist die Farbe Braun dabei überpräsent, sie hat sich bei Miller schon zu einer Art Marke entwickelt.

Braun steht für ihn, der mit Weggefährten wie dem 2012 verstorbenen Mike Kelley aus dem Umfeld der Picture Generation hervorgeht, eigentlich als farbgewordene Ablehnung medialisierter Bilder. Braun, das an das Rostbraun der Minimal Art und unweigerlich auch an Exkremente erinnern lässt, kommt in allen ausgestellten Bildern vor, mal in minimalistischen Rechtecken, mal geschrieben als trotziges „No“ oder egomanisches „I“. Wieder ist es das Ich, das sich hier in den öffentlichen Raum, in Aufnahmen von leeren Städten und Plätzen einschreibt. Wie präsent wird es dort? Das bildgewordene Ausloten bei Miller hat in Zeiten der Pandemie neue Dringlichkeit erlangt.

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Als melancholisch-kritischer Blick auf unsere Welt hingegen dürfen die beiden skulpturalen Arbeiten gelesen werden, während in „Sunken World“ der Spiegelquader im braunen Fundament versinkt, wird beim Gegenstück „Another Land“ der verspiegelte Kubus von einem kompakten braunen Quader nach oben hin abgeschlossen. Einen unverstellten Blick auf das Selbst gibt es nicht. Und doch durchdringt das Individuum jede Ansicht. Wo wächst sich dieses Selbst zum Ego aus? Bei Miller jedenfalls bleibt man ihm auf der Spur.

Infos

Galerie Johann Widauer. Erlerstraße 13, Innsbruck

bis September

Di-Do 14-16 Uhr, Fr 9-13 Uhr.


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