Drei Kandidaten: ORF-Wahl mit klarem Favoriten

Die wichtigste Wahl findet heuer am Küniglberg statt. Weißmann könnte dabei das Match gewinnen.

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Der ORF, die öffentlich-rechtliche Medienorgel, bekommt einen neuen Chef oder eine neue Chefin.
© APA/Punz

Wien – Im Vorfeld hieß es: Sollte sich ORF-Vizefinanzdirektor Roland Weißmann für den ORF-Generaldirektorenposten bewerben, dann wird er auch Nachfolger von Alexander Wrabetz werden. Gezweifelt wurde, ob sich Weißmann, bislang immer im Hintergrund aktiv, den Spitzenjob zutraut. Er traut sich den Job zu. Gestern kündigte er seine Bewerbung an: „Lange wurde spekuliert, jetzt kann ich sagen: Ja, ich trete an.“

Und damit hat die ORF-Wahl am 10. August einen klaren Favoriten. Denn Weißmann ist der Kandidat der Kanzlerpartei ÖVP. Und die Türkisen haben im Stiftungsrat die Mehrheit. Dort wird in offener Abstimmung gewählt.

Bisher haben unter anderen Amtsinhaber Alexander Wrabetz und ORF-1-Channelmanagerin Lisa Totzauer ihre Kandidatur für die Wahl bekannt gegeben. Wrabetz hat eine sozialdemokratische Vergangenheit. Seine erste Wahl zum ORF-General war eine schmerzliche Niederlage für den damaligen ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel. Eine Regenbogenkoalition stimmte gegen Schüssels Kandidatin. So etwas will sich Kanzler Sebastian Kurz ersparen.

Weißmann gilt als Kandidat der Türkisen.
© APA/Jäger

Wrabetz will nicht lockerlassen, hofft auf Achsenbildung (mit auch ÖVP-geführten Ländern). Und dann ist noch Totzauer. Sie gehört auch zur bürgerlichen Reichshälfte, aber eben mehr schwarz, weniger türkis. Die Grünen tendieren zu Totzauer.

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Aber wie gesagt: Weißmann hat klare Signale empfangen. Die ÖVP-Mehrheit im Stiftungsrat wird halten. „Ich habe mich beworben, weil ich davon ausgehe, dass ich gewinne“, sagte Weißmann. Ein Türkiser will er nicht sein: „Ich bin kein Kandidat einer Partei. Ich fühle mich zu hundert Prozent dem ORF und seinem Publikum verpflichtet.“

Seine Karriere und sein Aufstieg im ORF war eng mit dem Namen Richard Grasl verbunden. Grasl wollte selbst Wrabetz beerben, scheiterte aber bei der Wahl 2016.

Jetzt sei man besser vorbereitet. Der türkise „Freundeskreis“ im ORF-Stiftungsrat hat sich vergangene Woche auf die Unterstützung von Weißmann verständigt. Während ihm Kritiker Willfährigkeit unterstellen, beschreiben ihn andere als verlässlich und professionell.

Die Bewerbungsfrist endet mit 28. Juli. Eine Möglichkeit für Nachbewerbungen ist bis 3. August eingeräumt. Um zum nichtöffentlichen Hearing am 10. August und damit dem Tag der Wahl eingeladen zu werden, müssen Bewerber mindestens von einem Stiftungsrat des 35-köpfigen ORF-Gremiums nominiert werden. Diese haben dafür bis 6. August Zeit. (misp)


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