Hausschuhe und Halbwahrheiten: Sommerkomödie im Kellertheater

Mit „Halbe Wahrheiten“ bringt Caroline Richards eine luftige Sommerkomödie auf die Bühne, die vom Aneinander-Vorbeireden lebt.

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Wer mit wem? Sheila (Bernadette Heidegger), Ginny (Caroline M. Hochfelner), Philip (Klaus Rohrmoser) und Greg (Andreas Jähnert) in „Halbe Wahrheiten“ auf der Bühne des Innsbrucker Kellertheaters.
© Kellertheater

Innsbruck – So ganz geheuer ist Greg das nicht. Die Hausschuhe unter Ginnys Bett gehören ganz offensichtlich weder seiner Freundin noch ihm selbst. Und dann auch noch überall Blumen. Und höchst verdächtige Pralinenschachteln. Hat Ginny etwa einen heimlichen Liebhaber?

Und Szenenwechsel: Auch bei Philip und Sheila läuft nicht alles rund. Denn da geht schon lange nichts mehr. Seit Jahren ist das Paar verheiratet, nur die Routine ist noch da. Und die Eifersucht: Denn auch Philip ahnt, er wird betrogen. Von wem sollen die sonntäglichen Briefe sonst stammen?

Zwei Paare, zwei Geschichten. Wie sie zusammenhängen, das erzählt „Halbe Wahrheiten“ von Alan Ayckbourn, das aktuell im Innsbrucker Kellertheater zu sehen ist – und zwar in aller Ruhe. Zuerst lässt das Stück alle Beteiligten mehrmals in die Irre laufen.

Greg (Andreas Jähnert) beschließt nämlich, Ginny (Caroline M. Hochfelner) heimlich beim spontanen Ausflug zu ihren Eltern zu begleiten, um ihren Vater nach vier Wochen Beziehung (!) um die Hand seiner Tochter zu bitten. Bei Ginnys Eltern landet Greg allerdings nicht, aber bei Sheila (Bernadette Heidegger) und ihrem Mann Philip (Klaus Rohrmoser), der nicht Ginnys Vater, aber ihr ehemaliger, älterer Liebhaber ist.

Wer mit wem, warum, wie und wo? Diesen Knoten selbst am Ende nie ganz zu lösen, das ist das Kunststück dieses Theaterstücks, welches schon 1965 geschrieben wurde. Das tut dem Erzählvergnügen aber fast keinen Abbruch. Ja, eine jüngere Geliebte zu haben, ist heute kein Kavaliersdelikt mehr – in seiner Beziehung nur die halbe Wahrheit, also Halbwahrheiten, zu erzählen, bleibt aber ein zeitloses Hobby.

Regisseurin Caroline Richards lässt ihre „Halben Wahrheiten“ als luftige Sommerkomödie (passend dazu auch die Bühne von Alexia Engl) von den Dialogen und dem Aneinander-Vorbeireden leben. Ein Highlight ist die süffisante Sheila (die Heidegger gut steht) und der bald nicht mehr so beherrschte Klaus Rohrmoser als Philip – eben einer, der sich eingestehen muss, dass die wilden Zeiten vorbei sind. Jetzt ist die Zeit des jungen Paars gekommen – oder? Auch wenn dieser kurzweilige Theaterabend vorbei ist, das Verwirrspiel im Kopf geht weiter. (bunt)


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