ZAMG wird Wetterwarnungen künftig verständlich erklären

Ein neues „Warn-Tool" von ZAMG soll die zu erwartenden Auswirkungen und möglichen Gefahren von Wetterereignissen in den Mittelpunkt stellen.

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Michael Staudinger ( pensionierten Direktor ZAMG), Wissenschaftsminister Heinz Faßmann und Andreas Schaffhauser (provisorischer Direktor ZAMG) (v.li.) während der Pressekonferenz zum Thema „170 Jahre ZAMG".
© APA/Pfarrhofer

Wien – Seit Neuestem warnen die österreichischen Meteorologen die Bevölkerung nicht mit nackten Zahlen zu Niederschlagsmengen, Windgeschwindigkeiten und Höchsttemperaturen, sondern schildern deren gefährliche Auswirkungen anschaulich. Sie geben auch Ratschläge, wie man sich davor schützen kann, erklärten sie am Freitag in Wien vor Journalisten. Solche „auswirkungsorientierten Wetterwarnungen" entsprächen den aktuellen Empfehlungen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO).

📽️ Video | 170 Jahre ZAMG: Statement von ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann

„Es ist wichtig, dass die Nutzer die Warnungen verstehen und entsprechende Maßnahmen setzen können, sonst ist die Warnung verfehlt", meint Andreas Schaffhauser, Leiter der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Deren Meteorologen haben deshalb ein neues „Warn-Tool" entwickelt, das die zu erwartenden Auswirkungen und möglichen Gefahren von Wetterereignissen in den Mittelpunkt stellt.

Abstrakte Größen anschaulich erklären

„Zum Beispiel eine Niederschlagsmenge von 200 Millimetern in 24 Stunden sind für Bürger eine absolut abstrakte Größe – für den Einzelnen ist es wichtiger zu wissen: muss ich deswegen aus meinem Haus, und wie viel Zeit hab ich noch", so Staudinger. Außerdem würden verstärkende und abschwächende Faktoren wie die Jahres- und Tageszeit, die Belaubung der Bäume und die Vorbelastung einer Region hinsichtlich der Auswirkungen einer Wettersituation herangezogen.

„Wenn es im Oktober fünf Zentimeter schneit, ist das eine andere Situation, als im Winter, weil alle mit Sommerreifen unterwegs sind", sagte Schaffhauser. Demnach würde dann eine höhere Warnstufe ausgerufen, auch wenn das Wetterereignis rein meteorologisch nicht außergewöhnlich ist.

„Welche Ereignisse welche Folgen haben können, und wo wir besonders aufpassen müssen, hat auch mit der Geologie und Morphologie des Landes zu tun", sagte Wissenschaftsminister Heinz Faßmann, der auch Professor für Angewandte Geologie an der Universität Wien ist. „Die Böden und Geologie einer Region spielen vor allem bei Sturzfluten, wie wir vergangene Woche beobachtet haben, eine große Rolle", erklärte Schaffhauser.

170 Jahre ZAMG

Es gibt drei Warnstufen in den Farben Gelb, Orange und Rot mit steigendem Schadenspotenzial. Nach der Warnung in Kurzform und den möglichen Auswirkungen gibt die ZAMG Handlungstipps. Zum Beispiel solle man bei Sturm Wälder und Alleen meiden, Gegenstände im Freien sichern und mit lokalen Ausfällen in der Energieversorgung rechnen. Erst ganz am Schluss folgen die meteorologischen Beschreibungen, also die nackten Zahlen.

Die ZAMG feiert 170 jähriges Bestehen. Am 23. Juli 1851 bewilligte Kaiser Franz Josef ihre Entstehung auf Anraten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Aus diesem Anlass gab die Anstalt ein Buch heraus. Die ZAMG soll laut Regierungsprogramm mit der Geologischen Bundesanstalt vereint werden. In welcher Form dies vonstatten geht, sei aktuell Gegenstand von Verhandlungen, so Faßmann. (APA)


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