Computer-Chips als Mangelware: Tiefpunkt kommt laut Intel noch

Intel-Chef Pat Gelsinger verkündet, dass es noch ein oder zwei Jahre dauern wird, bis die Industrie die Nachfrage nach Chips vollständig erfüllen kann. Die Lage soll sich in den kommenden Monaten sogar noch zuspitzen.

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Die Einführung modernerer Produktionsprozesse verzögert sich wegen Rückschlägen bei der Entwicklung.
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Santa Clara – Der US-Chipriese Intel rechnet damit, dass sich die globale Halbleiter-Knappheit in den kommenden Monaten noch zuspitzt und bis ins Jahr 2023 hinein andauern kann. "Während ich erwarte, dass die Talsohle bei den Engpässen in der zweiten Jahreshälfte durchschritten wird, wird es noch ein oder zwei Jahre dauern, bis die Industrie die Nachfrage vollständig erfüllen kann", sagte Intel-Chef Pat Gelsinger am Donnerstag.

Auch Intel ist dabei, Produktionskapazität aufzubauen. Zu Gelsingers Plan gehört dabei, den Konzern verstärkt auch zum Auftragsfertiger für andere Chip-Entwickler zu machen. Man sei in Gesprächen mit rund 100 potenziellen Kunden, sagte er. Namen wurden nicht genannt.

Übernahmen zum Ausbau der Kapazitäten seien für Intel aktuell nicht von entscheidender Bedeutung, aber auch nicht ausgeschlossen, betonte Gelsinger. Vor einigen Tagen hatte es in Medienberichten geheißen, Intel habe Gespräche über eine Übernahme des Auftragsfertigers Globalfoundries für rund 30 Milliarden Dollar (rund 25 Mrd. Euro) geführt. Der Chef von Globalfoundries, Thomas Caulfield, stellte jedoch wenig später klar, dass es keinen Verkauf an Intel geben werde. Gelsinger zeigte sich überzeugt, dass es eine Konsolidierung in der Branche geben werde.

Pandemie sorgte für Schub beim PC-Markt

Intel hat ein Problem in seiner Fertigung: Die Einführung modernerer Produktionsprozesse verzögert sich wegen Rückschlägen bei der Entwicklung. Zugleich wächst die Konkurrenz – nicht nur durch den kleineren Erzrivalen AMD, sondern zum Teil auch durch bisherige Kunden wie Apple, die eigene Chips entwickeln.

Aktuell profitiert Intel weiterhin vor allem von der erhöhten PC-Nachfrage in der Coronapandemie. Der Konzern verkaufte im vergangenen Quartal allein 40 Prozent mehr Notebook-Prozessoren als ein Jahr zuvor. Mit dem Arbeiten und Lernen von Zuhause aus bekam der lange Zeit schwächelnde PC-Markt einen bis heute andauernden Schub.

Zugleich ging im vergangenen Quartal aber das Geschäft mit Rechenzentren im Jahresvergleich zurück, wie Intel am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Der Konzernumsatz blieb demnach mit 19,6 Mrd. Dollar (16,7 Mrd. Euro) praktisch unverändert. Auch der Gewinn war mit einem Minus von 0,8 Prozent auf 5,06 Mrd. Dollar auf Vorjahresniveau.

Intel-Aktie fiel trotz gehobener Erlösprognose

Die Erlöse der PC-Sparte des Konzerns stiegen angesichts gesunkener Durchschnittspreise verkaufter Chips deutlich weniger stark als die Stückzahlen – um 6,4 Prozent auf 10,1 Mrd. Dollar. Der Umsatz im Geschäft mit Rechenzentren sank binnen eines Jahres um 9,3 Prozent auf 6,45 Mrd. Dollar. Intel bekam zuletzt mehr Konkurrenz in dem Bereich.

Der Intel-Umsatz im vergangenen Quartal übertraf die Erwartungen der Analysten. Und das Unternehmen hob seine Erlösprognose für das laufende Jahr um eine Milliarde auf 73,5 Mrd. Dollar an. Anleger ließen die Intel-Aktie im vorbörslichen Handel am Freitag dennoch zeitweise um rund zwei Prozent fallen. (APA)


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