Krisengipfel: Holpriger Start nach Neuvergabe der PCR-Tests

Verwirrung in Osttirol, andernorts wurden Proben nicht abgeholt. Life-brain startete erst gestern Nachmittag. Krisengipfel in der nächsten Woche.

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Drei Labore führen jetzt in Tirol die PCR-Auswertungen durch. Der Start funktionierte alles andere als reibungslos.
© Böhm

Von Peter Nindler

Innsbruck, Lienz – Seit der Neuausschreibung und Vergabe der PCR-Testungen in vier Tiroler Regionen mit einem Auftragsvolumen von 39 Millionen Euro hapert es massiv an der Kommunikation. Außerdem startete das Wiener Großlabor Lifebrain, das erst jetzt vom französischen Unternehmen Cerba HealthCare übernommen wurde, mit Schwierigkeiten. Die Schnittstellen funktionierten nicht, erst Freitagnachmittag konnte Lifebrain mit den Testauswertungen im Ober- und Unterland beginnen. Diese werden übrigens in Wien vorgenommen.

Zwischenzeitlich half die Virologie der Medizin-Uni Innsbruck mit ihrem Kooperationspartner Novatium aus. Novatium ist die Nachfolgefirma der HG Lab Truck, die vor der Neuausschreibung alle PCR-Testungen in Tirol durchgeführt hat. Wegen der Ungereimtheiten rund um Firmenchef Ralf Herwig und Ermittlungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft, ob die HG Lab Truck überhaupt die fachlichen Voraussetzungen dafür habe, übernahm Dorothee von Laer von der Virologie Mitte Mai die Befundungen. Novatium hat dann die Infrastruktur (Geräte, Software etc.) der Firma HG Lab Truck und einen Teil der Mitarbeiter übernommen.

Die Virologie ist seit dieser Woche für die PCR-Testauswertungen in Osttirol zuständig. Das sorgte bereits für Kritik. Dass allerdings die Novatium die Erstauswertungen durchführt, löst erneut Diskussionen aus. So wunderte sich ein Osttiroler nach seinem Testbefund vom 20. Juli. Darin schien nämlich die HG Lab Truck auf. „Ich habe gerade einen Befund bekommen – und da ist nicht die Uni angeführt, sondern die HG Lab Truck“, berichtet der Betroffene.

Allerdings soll im Vergabeverfahren die Virologie auf Nachfrage erklärt haben, dass sie den gesamten Leistungsumfang allein stemme. Das wiederum wird von der Medizinischen Universität offiziell verneint. Man habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass man mit der Novatium zusammenarbeite, und das dem Land auch am 28. Juni so mitgeteilt. „Im Auftrag des Landes führt das Institut für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck PCR-Tests in Osttirol in Zusammenarbeit mit der Firma Novatium durch“, informierte die Med-Uni am Freitag.

Novatium nehme dabei die Erstauswertungen vor, weil sie über die notwendige Infrastruktur verfüge. „Alle spezielleren Untersuchungen, wie beispielsweise die Variantenanalyse, sowie die Qualitätssicherung erfolgen jedoch am und über das Institut für Virologie in Innsbruck“, wird hinzugefügt. Warum wird aber die HG Lab Truck im Osttiroler Befund angeführt? „Im Zuge der technischen Umstellung ist es bedauerlicherweise zu einem Druckfehler gekommen, im Befund hätte statt HG Lab Truck die Firma Novatium aufscheinen müssen“, bedauert die Med-Uni in ihrer Stellungnahme.

Im Land ist man hingegen anderer Meinung. Die Novatium sei nicht als Subunternehmer der Virologie angeführt und deshalb nicht überprüft worden, ließ man verlauten. Die Geschichte dürfte jetzt ein Nachspiel haben, an der Medizin-Uni hat sich mittlerweile der Pulsschlag erhöht. Zumal in den vergangenen Tagen die Novatium unter Fachaufsicht der Virologie immer wieder ausgeholfen habe.

Offenbar funktionierte in einigen Regionen die Logistik überhaupt nicht, die Umstellung nach der Neuausschreibung war mehr als holprig. Plötzlich gab es Proben, für die sich niemand zuständig gefühlt habe. Das führt jetzt zu einem Krisengipfel mit allen Beteiligten, LH Günther Platter (VP) soll gar nicht erfreut sein. Denn mit der Neuausschreibung der PCR-Tests sollte eigentlich alles wie am Schnürchen klappen.


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