Ein Lustmacher auf Kunst von heute: Kunst auf der Seefelder Feuerwache

Rafael Jablonka verwandelt die alte Seefelder Feuerwache in einen Ort für zeitgenössische Kunst.

  • Artikel
  • Diskussion
Eine bunte Neoninstallation von Andreas Slominski erleuchtet nächtens die Fassade des KiS.
© Jablonka
Rafael Jablonka zeigt im Seefelder KiS Philip Taaffe.
© Schlocker

Von Edith Schlocker

Seefeld – Für Rafael Jablonka ist das Sammeln von Kunst viel mehr als „nur“ eine Leidenschaft, sie ist ein Zustand. Mit der Konsequenz, dass die eigenen Wände bzw. Räume längst viel zu klein geworden sind, parallel zum wachsenden Wollen, das Gesammelte mit anderen zu teilen. Weshalb der ehemalige Kölner Galerist und Ausstellungskurator mit weltweitem Renommee vor zwei Jahren einen großen Teil seiner Sammlung zeitgenössischer Kunst der Wiener Albertina als Dauerleihgabe übergeben hat. Nachdem Jablonka, der seit einigen Jahren teilweise in Mösern lebt, vergeblich beim offiziellen Tirol versucht hatte, diesem Lust darauf zu machen, seiner Sammlung einen repräsentativen Präsentationsort einzurichten. Die Albertina sei allerdings auch keine üble Adresse, schmunzelt Rafael Jablonka.

Der das Sammeln nicht lassen kann. Was ihn besonders interessiert, seien seine Zeitgenossen, sagt der vor 69 Jahren in Polen geborene Kunsthistoriker. Wie viele Objekte er besitzt, bleibt ein Geheimnis. Keines ist, dass sein Kunstgeschmack sehr breit ist. Objekte seiner Begierde können Malereien genauso wie Grafiken sein, Skulpturen oder Fotografie, etwa von Nobuyoshi Araki. Ein Teil der Sammlung Jablonkas des 80-jährigen Japaners ist noch bis 29. August in der Wiener Albertina Modern zu sehen, u. a. die grandiose Serie „Sentimental Journey“, in der der Fotokünstler das Leben seiner Frau Yoko und das eigene umkreist.

Anfang der 2010er-Jahre ließ sich Rafael Jablonka vom deutschen Bildhauer Thomas Schütte in Mösern das „Ferienhaus T“ bauen, das ein Hybrid aus Architektur und Skulptur, Wohn- und Kunstort ist, letztlich „ein Haus für die Seele“. Ein für alle Interessierten offener Kunstraum ist dagegen der, den Rafael Jablonka in der ehemaligen Seefelder Feuerwache eingerichtet hat. Vorerst für sieben Jahre und sehr zur Freude der Gemeindeführung, die die Immobilie um eine symbolische Miete zur Verfügung stellt, während die Kosten für Transport und Versicherung Jablonka übernimmt. Der zwei Ausstellungen jährlich in der rund 100 Quadratmeter großen Halle aus den 1930er-Jahren samt raumhohen Schiebetüren zeigen will, eine im Winter, eine im Sommer.

Den Beginn macht eine Personale mit dem programmatischen Titel „We are not afraid“ des international renommierten US-amerikanischen Malers Philip Taaffe. Seine großformatigen, von kräftigen Farben dominierten Arbeiten seien durch ihren opulenten, in ihrer Nähe zum Ornament bisweilen fast volkskünstlerisch daherkommenden Bezug zur Natur vielleicht „ein guter Einstieg für Kunst-Anfänger“, meint Rafael Jablonka, der hofft, dass viele Einheimische genauso wie Feriengäste den Weg in das KiS finden.

Info

KiS – Kunst in Seefeld. Münchner Straße 271, Seefeld; bis 26. September, Fr–So 16–19 Uhr


Kommentieren


Schlagworte