Prozess am Landesgericht: Über 14 Jahre Haft für 1,5-Millionen-Betrug

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Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Der 1,5-Millionen-Krimi um einen Großbetrug ging am Landesgericht in die zweite und damit auch letzte Runde. Standen am Donnerstag die drei Angeklagten (74, 56 und 44 Jahre) im Zentrum des Strafverfahrens, so kamen am Freitag die Zeugen zu Wort. Und die entlasteten den 56-Jährigen weitgehend – der Kärntner habe von der prekären finanziellen Lage der Firma wohl nichts gewusst. Erst am Abend endete der Prozess – alle drei Angeklagten wurden schuldig gesprochen.

Wie bereits berichtet, ging es vor Gericht um ein 2012 gegründetes Unternehmen, das Bauprojekte finanzieren sollte. Und zwar mit dem Geld von Anlegern, die so genannte Genussscheine erhielten. Eine Art von Wertpapieren mit Kapitalgarantie und 4,5 bis 6 Prozent Rendite in drei bis fünf Jahren. So wurde es zumindest den 80 (größtenteils Klein-)Anlegern versprochen.

Das Problem: Um Genussscheine auszugeben, wäre eine Genehmigung der Finanzaufsicht erforderlich gewesen. Die wurde aber nie erteilt. Dennoch wurden die Genussscheine gedruckt und an die Anleger „verkauft“. Die Einnahmen von knapp 1,5 Millionen Euro flossen aber nicht – wie den Investoren versprochen – in Bauprojekte, sondern in die Taschen der drei Angeklagten. 580.000 Euro kassierte der 74-Jährige, über 400.000 der 56-Jährige und 180.000 der 44-Jährige.

Der Pensionist und der Jüngste waren im Wesentlichen geständig, der Kärntner nicht: „Ich hatte nie die Absicht, die Anleger zu schädigen. Ich wurde von den beiden Mitangeklagten überzeugt, dass mit der Firma alles okay ist“, sagte er in seinem Schlusswort. Ein ehemaliger Geschäftsführer der Firma, der 2016 ausstieg, als er von den leeren Firmenkonten erfuhr, nahm den 56-Jährigen in Schutz: „Er hat erst zum Schluss erfahren, was passiert ist.“ Auch ein Tiroler Geschäftspartner bestätigte im Zeugenstand die Version des Kärntners: Dieser sei regelrecht ausgeflippt, als er von den verschwundenen Kundengeldern erfahren habe.

Der Schöffensenat kam zu einem anderen Ergebnis. Der Kärntner wurde ebenso wie der Pensionist zu je fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Beim 74-Jährigen kamen noch 18 Monate Haft aus einem früheren Verfahren dazu, die jetzt widerrufen wurden. Am glimpflichsten kam der 44-Jährige davon: Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Eine Zusatzstrafe, zumal der Ex-Unternehmer bereits von einem Welser Gericht eine 16-monatige Haftstrafe erhalten hatte. Außerdem müssen die Angeklagten die Anleger entschädigen.


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