Tischtennis-Ass Liu Jia schrieb in Tokio ihre Olympia-Geschichte weiter

Nach dem 4:0-Sieg in der Vorrunde gegen die erst zwölfjährige Syrerin Hend Zaza besiegte die Oberösterreicherin in der ersten Runde auch die Ukrainerin Ganna Gaponowa. Die Niederlage von Stefan Fegerl im Mixed-Bewerb mit Sofia Polcanova gegen Mizutani/Ito bedeutete das Karriere-Ende des Niederösterreichers.

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Liu Jia ließ in der Vorrunde gegen ihre junge Konkurrentin nichts anbrennen.
© GEORG HOCHMUTH

Tokio - Österreichs Tischtennis-Ass Liu Jia hat ihr Olympia-Märchen fortgeschrieben. Nach dem 4:0-Sieg in der Vorrunde gegen die erst zwölfjährige Syrerin Hend Zaza Samstagfrüh (MESZ) besiegte sie in der ersten Runde am Nachmittag auch die Ukrainerin Ganna Gaponowa, als Verteidigungsspezialistin so etwas wie eine Angstgegnerin Liu Jias. Dabei holte die Froschberg-Spielerin einen 1:2-Satzrückstand auf und setzte sich am Ende mit 4:2 (4,-6,-6,4,3,5) durch.

Für "Susi" war dies Anlass zu großer Freude: "Ich glaube, dass ich momentan sehr, sehr glücklich bin", sagte sie im Interview mit dem ORF nach dem Spiel. "Ich war sehr, sehr gut vorbereitet." Auch mental sei sie ruhig geblieben. "Innerlich habe ich mir so gewünscht, dass ich gegen sie gewinne." Schließlich sollte vor dem nicht mehr allzu fernen Karriereende der 39-Jährigen noch ein Sieg gegen Gaponowa her - die zwei bisherigen Begegnungen hatte Liu Jia verloren.

Dass das Spiel nicht einfach werden würde, hatte ÖTTV-Sportdirektor Karl Jindrak bereits prognostiziert: Gaponowa sei eine Verteidigerin und damit eine Spielerin, gegen die sich "Susi" fast schon traditionell schwer tut. Und er sollte recht behalten. Die ersten beiden Punkte gab Liu Jia bei eigenem Aufschlag gleich ab. Dann kam sie aber schnell ins Spiel, hielt die Fehlerquote zunächst gering und sicherte sich den ersten Satz bei vier Gegenpunkten.

Danach schlug Gaponowa zurück. Immer wieder zog sie der Österreicherin mit ihrem giftigen Verteidigungsspiel den Zahn, Liu Jia verschlug Vorhand um Vorhand. "In den beiden Sätzen, die ich verloren habe, habe ich hirnlos gespielt", merkte die 39-Jährige selbstkritisch an.

Es folgte ein taktischer Reset, "sanft und mit Rhythmusstörung" war letztlich der Schlüssel zum Erfolg. Immer wieder kam "Susi" mit ihren Angriffen durch die Mitte durch. Gaponowa wurde fehleranfällig und geriet in den Sätzen vier und fünf schnell sehr deutlich in Rückstand. Beide Sätze musste die Ukrainerin auch abgeben.

Der sechste Satz war nur zu Beginn eng, bevor sich Liu Jia erneut absetzen konnte und mit der in den Vorsätzen bewährten Taktik das Spiel auch sicher über die Runden brachte. Zur Belohnung folgt am Montag ein Spiel gegen eine weitere Verteidigungsspielerin: Die Österreicherin trifft nun auf Polina Michailowa vom Russischen Olympischen Komitee (ROC).

Großes Lob von Sportdirektor Jindrak

"Susi" hatte von dem Spiel gegen Gaponowa bereits geträumt. Der Sieg "ist in der Halle noch viel schöner als im Schlaf", sagte Liu Jia, der nach eigenen Angaben auch die Müdigkeit nicht zu schaffen machte. "Es war eine Topleistung von Susi. Es war nach geringen Anfangsproblemen wichtig, dass sie die Sätze hoch gewinnen konnte. Das gibt Auftrieb für das nächste Match gegen eine weitere Verteidigerin", kommentierte ÖTTV-Sportdirektor Karl Jindrak.

Außergewöhnlich war Liu Jias Vorrundenpartie gegen die zwölfjährige Syrerin Hend Zaza in der Früh gewesen, wenn auch nicht wegen des 4:0-Sieges der Österreicherin. Das Medieninteresse war außergewöhnlich groß und galt vor allem dem Nachwuchstalent. "Susi" ging aber als klare Favoritin in das Spiel: "Wenn ich gegen sie verlieren würde, springe ich vom Balkon runter", scherzte Liu im Vorfeld. Das musste sie ebenso wenig wie der Traum vom Match gegen Gaponowa zum Albtraum wurde.

Österreichs zweite Hoffnung im Frauen-Einzel-Tischtennisbewerb, Sofia Polcanova, steigt als Nummer 10 der Setzliste erst im 1/16-Finale ins Turnier ein und wird daher ihr erstes Match erst am Montag absolvieren. Ihre planmäßige Gegnerin wäre ihre Klubkollegin von Linz AG Froschberg, Marharyta Pessozka aus der Ukraine, im Falle eines Erfolges ginge es im Achtelfinale gegen die Nummer zwei Japans, die Weltranglisten-Zehnte, Kasumi Ishikawa.

Die beiden ÖTTV-Männer Robert Gardos und Daniel Habesohn werden in der Setzliste des Männer-Einzels an den Positionen 17 bzw. 32 geführt und müssen daher in der zweiten Runde (letzte 48) erstmals antreten. Gardos eröffnet am Sonntagvormittag (9.15 Uhr MESZ) gegen Paul Drinkhall (ENG), Habesohn trifft schon um 7.45 Uhr auf Chew Ze Yu (Singapur).

Karriere-Ende für Fegerl

Die Tischtennis-Karriere von Stefan Fegerl ist am Samstag in Tokio zu Ende gegangen. Der Niederösterreicher unterlag bei den Sommerspielen im neuen olympischen Mixed-Bewerb an der Seite von Sofia Polcanova den als Nummer zwei gesetzten Japanern Jun Mizutani/Mima Ito 1:4 (-5,8,-9,-4,-4). Fegerl war im Juni zum Vizepräsidenten des Österreichischen Verbandes (ÖTTV) gewählt worden und hatte da angekündigt, deswegen nach Olympia seine aktive Laufbahn zu beenden.

Für Sofia Polcanova und Stefan Fegerl war bereits in Runde ein Schluss.
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Fegerl war ein soclher bei seinem allerletzten Turnier nicht vergönnt. "Wir haben nicht schlecht gespielt, aber der dritte Satz war eine kleine Vorentscheidung", erläuterte der 32-Jährige. Nach einem knappen Satz sei es für die Verlierer momentan immer schwierig, und die Gegner hätten auch diesmal Aufwind gehabt. "Sie sind dann immer besser ins Spiel gekommen", meinte Polcanova über die Lokalmatadore. "Sie haben ihre Taktik geändert, fast keine Fehler mehr gemacht und mutiger gespielt."

Gemeinsam waren Fegerl und Polcanova 2018 Vize-Europameister geworden, nun ist die sportliche Partnerschaft beendet. "Ich werde Stefan vermissen", ließ die 26-Jährige wissen. Der Waldviertler selbst verspürte keine Wehmut. "Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt, in den ich sehr motiviert reingehe und das Ganze angehe. Ich habe viele schöne Jahre gehabt, erfolgreiche Jahre. Irgendwann ist der Zeitpunkt da, wenn man sich verabschieden muss. Ich bin im Großen und Ganzen sehr, sehr zufrieden." (APA)


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