Mehr als ein Drittel der Wildfütterungen im Bezirk Landeck ungeeignet

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Im Winter brauchen die Tiere Zusatzfutter – viele Wildfütterungen sind aber ungeeignet.
© Horst Leitner

Von Matthias Reichle

Landeck – Es ist kein gutes Zeugnis für die Rotwildfütterungen im Bezirk Landeck: Bei 35 Prozent von ihnen sind die Voraussetzungen für einen Betrieb denkbar schlecht und mit einem hohen Risiko für die Tiergesundheit, den Wald und die Betreuung verbunden.

Das ergab eine Studie im Rahmen des Projekts „Rotwildüberwinterung Terra Raetica“. Das Regionalmanagement Landeck hatte eine grenzüberschreitende Untersuchung im Bezirk Landeck, dem Vinschgau und Engadin beauftragt. Demnach ist das Wild unter Druck. Den 3500 Stück Rotwild stehen lediglich 17.000 Hektar gut geeigneter Winterlebensraum zur Verfügung. Das sind nur elf Prozent, der Rest ist besiedelt, wird von Tourismus- und Freizeitwirtschaft genutzt oder ist aufgrund der Topografie ungeeignet.

Auch bieten 18 von 144 Jagdrevieren im Bezirk Landeck nicht die Voraussetzungen für eine Rotwildüberwinterung, heißt es in der Studie. 127 Rotwildfütterungen wurden unter die Lupe genommen – 45 Fütterungsstandorte bekommen bei einer Bewertung zum Tierwohl nur ein Genügend bzw. sogar ein Ungenügend.

Nun soll ein mehrjähriger Plan umgesetzt werden, um unter anderem die Standorte zu verbessern. „Die Maßnahmen werden dabei von Jägerinnen und Jägern, Forst, Behörde und Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern getragen“, informiert LHStv. Josef Geisler.

Die Studie untersuchte aber auch den Austausch des Rotwilds über die Grenzen – mit teils spannenden Ergebnissen. Die Tiere, die mit GPS besendert wurden, sind sehr mobil. Hirsch Anton wanderte beispielsweise fast zwei Tage lang 30 Kilometer entlang des Inntals nach Ardez in Graubünden.

Ein Tier aus Santa Catarina im Vinschgau wurde auf der Bielerhöhe in der Nähe des Silvrettastausees gesichtet. Die Luftlinie beträgt 55 Kilometer. Ein zweijähriger Hirsch, der in Graubünden bei Tschlin besendert wurde, wechselte im Sommer über die Berge vom Val Sinestrabis ins Fimbatal und weiter bis nach Gaschurn in Vorarlberg. Ein zehnjähriger Hirsch aus Guarda wanderte in zwei Tagen 40 Kilometer bis ins Radurschltal bei Pfunds.


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