„Verstehe nicht, warum man am Berg Müll liegen lässt“

Für viele ist der Naturraum zum Zufluchtsort geworden. Doch genau dort wächst nun ein Müllproblem heran. Für viele Naturfans unverständlich.

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Dosen und Plastikmüll am Berg – wie hier auf der Seegrube – sorgen immer öfter für Kopfschütteln und Unverständnis.
© Zung

Von Eva-Maria Fankhauser

Innsbruck – Es ist ein Genuss, am Berg den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Das Panorama zu genießen. Doch das, was man ganz nah sieht, das verdirbt vielen Wanderern und Erholungssuchenden oftmals die Freude. An den idyllischsten Plätzen liegen plötzlich Getränkedosen am Boden, daneben die Plastikverpackung eines Müsliriegels, und wenige Schritte später tritt man fast auf die Reste einer Grillfeier. „Ich finde das echt besorgniserregend, was man so alles bei einer Wanderung im Wald oder am Berg in Richtung Seegrube entdeckt“, sagt ein Innsbrucker. Eine andere Einheimische meint: „Das ist verantwortungslos, ich verstehe nicht, wie man unsere schöne Natur so behandeln kann.“

In vielen Teilen Tirols ist gerade nach der Zeit der Lockdowns das Thema Müll am Berg bzw. im Wald verstärkt aufgekommen. „Es ist ja verständlich, dass plötzlich viele Leute in die Natur gedrängt sind, weil sie wieder raus durften. Aber nicht nachvollziehen kann ich, warum man den Müll in die Natur trägt, aber dann nicht mehr mitnehmen kann“, sagt Kurt Pröller von der Abteilung Wald und Almen der Stadt Innsbruck. Er glaubt, dass es nicht nur der „Ansturm“ in die Naturräume ist, wodurch das Müllproblem stärker geworden ist, sondern auch die Einstellung der Erholungssuchenden. „Früher hat es keine Müllsammlung am Berg oder im Wald gebraucht. Heute müssen unsere Mitarbeiter so genannte Müllrunden drehen, um die Natur wieder zu säubern“, ärgert sich Pröller und fügt hinzu: „Es mag schon sein, dass jetzt mehr Leute draußen unterwegs sind, aber das ist doch kein Grund, seinen eigenen Müll liegen zu lassen.“

Es mag schon sein, dass jetzt mehr Leute draußen unterwegs sind, aber das ist kein Grund, den Müll liegen zu lassen.
Kurt Pröller (Abteilung Wald und Almen)

Das sieht man auch bei verschiedenen Vereinen und Initiativen so, wie etwa bei der Bergwacht. Auch dort schwärmt man immer wieder für Müllsammelaktionen aus. Corona-bedingt fielen Kooperationen mit Vereinen oder Schulen im Frühjahr aus. Dennoch waren die Einsatzkräfte unterwegs. Mittlerweile nutzen teils auch Bergbegeisterte über soziale Medien ihre Reichweite, um Bewusstsein zu bilden und vor allem auch, um andere zu motivieren, die Natur wieder auf Vordermann zu bringen. Vereinzelt wird zum gemeinsamen Mülleinsammeln aufgerufen. „Wenn jeder Einzelne auf die Natur achtet und seinen Müll wieder mit ins Tal nimmt, dann wäre das der einfachste Weg“, sagt Pröller. Er appelliert an die Eigenverantwortung.

Die Müllfunde reichen laut ihm von den „Klassikern“ wie der Cola-Dose, Alufolie, Taschentüchern und Plastik bis hin zu Grillabfällen, Kinderwägen oder Fahrrädern. Seitens der Bergwacht hat man sogar Sofas und kleinere Kästen eingesammelt. Teils gibt es typische Punkte, wo man ständig auf Müll trifft. „Etwa unterhalb der Arzler Alm ist ein beliebter Punkt, wo wir immer wieder Abfall einsammeln müssen. Aber auch auf Waldspielplätzen, wo dann Scherben der letzten Party herumliegen. Das ist dann schon sehr ärgerlich und wahnsinnig gefährlich“, sagt Pröller.

Auch der Politik ist das Problem bekannt. „Das richtige Verhalten im Naturraum wird immer wichtiger, da es eben viele Menschen hinauszieht. Daher appellieren wir an alle, respektvoll mit der Natur umzugehen, die Natur zu schätzen und den Müll wieder mitzunehmen“, sagt Innsbrucks Vizebürgermeister Hannes Anzengruber. Man habe im Vorjahr mit Flyern auf den Almen und beim Bürgerservice versucht, für das Thema „Müll am Berg“ zu sensibilisieren. Dies soll heuer noch digitalisiert werden, um noch mehr Leute zu erreichen. „Es geht dabei ja nicht nur um eine saubere Umwelt, sondern auch um ein gewisses Gefahrenpotenzial – Tiere können sich am Müll verschlucken und verletzen, die Waldbrandgefahr steigt und viele Abfälle brauchen ewig zum Verrotten“, gibt Anzengruber zu bedenken.


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