Ibiza-Video: Drogen-Prozess gegen Julian H. am 8. September

Der Beschuldigte soll mehr als ein Kilogramm Kokain weitergegeben haben. Er bestreitet die Vorwürfe.

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St. Pölten – Der mutmaßliche Drahtzieher des Ibiza-Videos, Julian H., wird demnächst in St. Pölten vor Gericht stehen. Angeklagt wurde der Privatdetektiv nach dem Suchtmittelgesetz. Der Prozess findet am 8. September statt, bestätigte Andrea Humer, die Sprecherin des Landesgerichts St. Pölten, am Dienstag einen Bericht der Kronen Zeitung.

Anberaumt ist die Verhandlung für einen Tag. Ob weitere Termine „notwendig werden, wird das Beweisverfahren ergeben", teilte Humer der APA mit.

H. soll mehr als ein Kilogramm Kokain weitergegeben haben. Belastet wird der Angeklagte von mehreren Zeugen. Der Beschuldigte selbst bestreitet die Vorwürfe, der Verteidiger sieht seinen Mandanten laut dem Medienbericht „als Figur einer Intrige".

H. soll eine Schlüsselrolle im Zusammenhang mit dem Video gehabt haben, das den damaligen FPÖ-Obmann und Vizekanzler Heinz-Christian Strache und FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus in einer Villa auf Ibiza im Gespräch mit einer vermeintlichen Oligarchennichte zeigt. Die Veröffentlichung des Videos im Mai 2019 brachte nicht nur Strache und Gudenus um ihre Jobs, sondern erschütterte die Politik nachhaltig: Die türkis-blaue Regierung zerbrach, es kam zur Neuwahl.

Seit März sitzt H. in Wien wegen Tatbegehungs- und Fluchtgefahr in Untersuchungshaft – nachdem er Mitte Dezember in Berlin mit Europäischem Haftbefehl festgenommen und in der Folge an Österreich ausgeliefert worden war. Im April hatte er als Auskunftsperson im U-Ausschuss kundgetan, dass er sich als Opfer voreingenommener und befangener Ermittlungen sehe und mit dem Video nur ein Sittenbild des österreichischen politischen Systems habe zeichnen wollen.

Beteiligt war H. bereits im Vorjahr an einer Gerichtsverhandlung in Niederösterreich. Im Kremser Verleumdungsprozess gegen einen Ex-Sicherheitsberater galt er als Geschädigter und sagte am 23. Oktober als Zeuge aus. Körperlich anwesend war H. damals allerdings nicht, er wurde per Video in den Schwurgerichtssaal zugeschaltet. (APA)


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