Meteorologie und Geologie: Zusammenlegung von ZAMG und GBA fixiert

Aus ZAMG und der Geologischen Bundesanstalt wird "GeoSphere Austria". Das steht heute auf der Tagesordnung des Sommerministerrats in der Reichenau an der Rax. Der Zeitplan für die Umsetzung ist noch offen.

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Bundeskanzler Sebastian Kurz vor Beginn des Sonderministerrates in Reichenau an der Rax.
© APA/JAEGER

Reichenau an der Rax, Wien – Aus der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und der Geologischen Bundesanstalt (GBA) wird unter dem Namen "GeoSphere Austria" (GSA) eine eigenständige "Bundesanstalt für Meteorologie, Geophysik und Geologie". Dieses bereits im Regierungsprogramm formulierte Vorhaben steht am heutigen Mittwoch auf der Tagesordnung des Sommerministerrats in Reichenau an der Rax (NÖ), wie aus dem der APA vorliegenden Vortrag von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hervorgeht.

Die neue Institution "soll mit ihren zukünftig knapp 500 MitarbeiterInnen als eine der wissenschaftlichen Integrität verpflichtete Forschungsorganisation des BMBWF, die zentrale Kompetenzstelle des Bundes für Daten und Informationen über die Geosphäre (Atmosphäre, Lithosphäre, Hydrosphäre und Pedosphäre) bilden", heißt es darin. "Wie wichtig eine solche gebündelte Organisation sein kann hat uns zuletzt auch die Umweltkatastrophe in Deutschland gezeigt, wo die Kombination aus Extremwetter und geologischen Besonderheiten ein Desaster bedingt hatten", so der Minister. Man wolle die beiden Bundesanstalten rund 170 Jahre nach ihrer Gründung "näher zusammenbringen. Wir werden daraus eine zentrale Kompetenzstelle für fast alle Schichten der Geosphäre aufbauen".

Im Rahmen der GSA sollen der Klimawandel und geoökologische Herausforderungen umfassend untersucht werden. Auch beim Thema Rohstoffverknappung, bei Fragen des Katastrophenmanagements und in der Prävention von Naturgefahren brauche es Spitzenforschung. Die Bündelung der Kompetenzen der beiden Institutionen in der GSA biete die Chance, die Widerstandsfähigkeit Österreichs zu erhöhen.

Konkret sollen die Verfügbarkeit einschlägiger Daten verbessert, "die institutionellen und rechtlichen Voraussetzungen für zukunftsfähige staatliche Dienste geschaffen", das fächerübergreifende, kooperative Vorgehen gefördert "und das Dienstleistungsspektrum innovativer gestaltet werden", heißt es in dem Ministerratsvortrag weiter. Die Aufgaben reichen von der Durchführung meteorologischer, geophysikalischer und geologischer Untersuchungen, über Forschungsarbeiten zur klimatologischen, geophysikalischen und geologischen Landesaufnahme bis zur Bereitstellung von Information, Beratung und Warnung bei Krisen- und Störfällen, Natur- und Umweltkatastrophen.

ZAMG und GBA: Bundesanstalten fusionieren nach über 170 Jahren

Wien – Hohe Beamte und Forscher, die an der Modernisierung von Staat, Verwaltung und Wissenschaft interessiert waren, nutzten vor rund 170 Jahren die Bereitschaft des kurz im Amt befindlichen Kaisers Franz Joseph I., um Forschungseinrichtungen zu gründen. So wurden 1849 die "Geologische Reichsanstalt" und 1851 die "k. k. Central-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus" gegründet. Deren heutige Pendants stehen nach Regierungsplänen nun vor der Fusion.

Heute sind die Geologische Bundesanstalt (GBA) und die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) nachgeordnete Dienststellen des Bildungsministeriums, seit 1992 sind sie mit Teilrechtsfähigkeit ausgestattet. Nachdem die Zusammenlegung schon rund 15 Jahre lang, zuletzt aber seit 2019 intensiver diskutiert wurde, sollen die beiden Institutionen künftig unter dem Namen "GeoSphere Austria - Bundesanstalt für Meteorologie, Geophysik und Geologie" (GSA) verschmolzen werden, wie es am Mittwoch aus dem Bildungsministerium heißt.

An der ZAMG waren im Vorjahr 331 Personen beschäftigt, davon waren 181 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung tätig. 2020 erhielt die ZAMG rund 20,5 Millionen Euro vom Bund. Die Umsätze im Rahmen der Teilrechtsfähigkeit beliefen sich auf 12,1 Millionen Euro. Die ZAMG feierte erst kürzlich ihr 170-jähriges Bestehen. Am 23. Juli 1851 bewilligte Kaiser Franz Josef ihre Entstehung auf Anraten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Die GBA hatte im Vorjahr rund 120 Mitarbeiter, davon waren 57 Bundesbedienstete (24 davon nicht-wissenschaftliches Personal) und 65 im Rahmen der Teilrechtsfähigkeit beschäftigt. Das Budget der GBA belief sich auf rund elf Millionen Euro. (APA)

Eine zentrale Stellung soll die Unterstützung des staatlichen Krisen- und Katastrophenschutzmanagements (SKKM) spielen. Außerdem übernimmt die GSA die Vertretung Österreichs in einschlägigen nationalen und internationalen Organisationen.

Einen genauen Zeitplan für die Einrichtung der neuen Bundesanstalt gebe es noch nicht, wie es aus dem Bildungsministerium auf Anfrage der APA hieß. Entgegen ursprünglicher Ideen im Jahr 2019 wird die neue Einrichtung nicht von einem aus den Chefs der drei angedachten Direktorate gebildeten "Board of Directors" geleitet. Nun sei eine Führung durch einen wissenschaftlichen und einen kaufmännischen Direktor für die GSA geplant. Die beiden Posten werden international ausgeschrieben, so das Ministerium.

Die Geschichte der beiden nun in der GSA aufgehenden Institutionen reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück: Sie wurden 1849 als "Geologische Reichsanstalt" und 1851 als "k. k. Central-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus" ins Leben gerufen. Zuletzt waren die GBA und die ZAMG nachgeordnete Dienststellen des Bildungsministeriums mit Teilrechtsfähigkeit. Über eine Fusion wird bereits seit 15 Jahren diskutiert, die Durchführung des Vorhabens war ursprünglich bereits für 2020 angedacht. (APA)


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