„Panik-Papier": Deutsches Robert-Koch-Institut sieht bereits die vierte Welle

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RKI-Chef Lothar Wieler (links) und der Virologe seines Vertrauens, Christian Drosten, geben in Deutschland den Corona-Kurs vor.
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Anita Heubacher

Von Anita Heubacher

Berlin, Wien – Anders als in Österreich macht der Boulevard in Deutschland öfters gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung mobil. Die Bild-Zeitung hat sich sowohl mit dem deutschen „Chef-Virologen“ Christian Drosten angelegt als auch mit dem Robert-Koch-Institut. Immer wieder weist das Blatt genüsslich darauf hin, dass RKI-Präsident Lothar Wieler Tierarzt sei. Drosten, Wieler und Bundeskanzlerin Angela Merkel sind in der Pandemie ein Begriffspaar für restriktive Corona-Maßnahmen geworden. Zuletzt leakte die Bild interne RKI-Papiere.

Eines vor wenigen Wochen, worin das RKI vorschlägt, wegen der steigenden Impfrate neben der Ansteckungsquote, der Sieben-Tage-Inzidenz auch die Hospitalisierung als Leitindikator heranzuziehen. Das war Wasser auf die Mühlen jener Wissenschafter rund um den deutschen Virologen Hendrik Streeck, die das bereits im Frühjahr vorgeschlagen hatten und das Testen von Gesunden als Grundlage für die Pandemie kritisch sehen. Das österreichische Pendant zum RKI ist die AGES, die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. Deren Chef Franz Allerberger ließ kurz vor seiner Pensionierung noch eine Bombe platzen, als er meinte: Ohne PCR-Tests wäre die neue Pandemie „niemandem wirklich aufgefallen“. Es war nicht das erste Mal, dass Allerberger etwas sagte, das der Linie der Bundesregierung widersprach. Inzwischen hat die AGES einen neuen Chef.

Gestern hat die Bild wieder ein RKI-Papier geleakt und es gleich als „Panik-Papier“ bezeichnet. Darin schlägt Wieler Alarm, spricht vom Beginn einer vierten Welle. Eine hohe Impfrate genüge nicht, um diese abzuflachen. Es bräuchte eine Einschränkung der Mobilität und Ausgehbeschränkungen. Das Papier liegt indes weiteren deutschen Medien und der Deutschen Presseagentur vor. Demnach bleibt das RKI bei seinem Fokus auf die Inzidenz. Diese und nicht auch die Hospitalisierungen müsse Leitindikator bleiben.

Das sorgt für Unmut unter Deutschlands Länderchefs. Sie argumentieren, dass die Älteren durchgeimpft seien, sich vor allem Junge anstecken würden und dies nicht zu einem Spitalskollaps führe. Bleibt Deutschland beim Leitindikator Inzidenz, könnte es für Tirols Tourismus wieder bitter werden.


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