Ärzte warnen: Lage nach Flut in Rheinland-Pfalz weiter „erschreckend“

Der deutsche Ärzteverband kritisiert erhebliche Mängel in der medizinischen Grundversorgung in den Hochwassergebieten. In Belgien ermittelt die Justiz nach den tödlichen Überschwemmungen wegen mutmaßlichen Totschlags.

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Blick auf das Ahrtal bei Dernau-Rech, in welchem die Ahr vor zwei Wochen eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hat.
© Klaus W. Schmidt via www.imago-images.de

Schuld – Zwei Wochen nach den verheerenden Fluten in Rheinland-Pfalz haben Amtsärzte erhebliche Mängel in der medizinischen Grundversorgung in den Hochwassergebieten kritisiert. Die Situation sei „nach wie vor erschreckend“ und in den betroffenen Regionen herrsche Seuchengefahr, sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert.

Die Gesundheit der Bevölkerung in den Katastrophengebieten sei „massiv bedroht, weil die Infrastruktur nicht funktioniert“. Unter anderem seien in einigen Orten Krankenhäuser und Praxen zerstört worden. Teichert, die bis 2012 das Gesundheitsamt im flutbetroffenen Landkreis Ahrweiler leitete, berichtete, dass viele Menschen ohne dringend benötigte Medikamente auskommen müssten. Das sei besonders für Menschen mit Krankheiten wie Diabetes oder Herzleiden ein großes Problem.

Das Hochwasser vom 14. Juli hatte das Ahrtal besonders schlimm getroffen. Zuletzt wurden 134 Tote gezählt. Als vermisst galten 73 Menschen. Die Zahl der Verletzten nach dem Starkregen und den dadurch ausgelösten Sturzfluten war zuletzt mit 766 angegeben worden.

Ermittlungen in Belgien

Nach den Überschwemmungen in Belgien mit mindestens 38 Todesopfern ermittelt die belgische Justiz wegen mutmaßlichen Totschlags. Untersucht werde der Verdacht der „unfreiwilligen Tötung durch Mangel an Voraussicht oder Vorsorge“, erklärte die Staatsanwaltschaft in Lüttich. Die in der französischsprachigen Region Wallonie gelegene Stadt Lüttich war am schwersten von der Hochwasserkatastrophe in Belgien Mitte Juli getroffen.

Ähnlich wie im ebenfalls verheerend getroffenen Deutschland gibt es auch in Belgien eine Diskussion um mögliche Mängel im Warnsystem. Überlebende klagten, es habe keine Warnungen gegeben, als an einem überlasteten Damm in Eupen die Schleusen geöffnet wurden.

Die Zahl der Todesopfer gab die belgische Bundespolizei am Mittwoch mit 38 an. Der Regierungschef der Wallonie, Elio Di Rupo, hatte dagegen am Dienstag von 41 Toten gesprochen. (APA/dpa)


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