Frauen fehlen 851 Euro: Tiroler Pensions-Schere weit offen

Frauen haben bundesweit durchschnittlich eine um 851 Euro geringere Pension als Männer. Tirol schneidet bei der Pensions-Schere schlecht ab. Breite Front für Reformen.

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Teilzeitarbeit, weniger Beitragsjahre als Männer und viele Jahre unbezahlter Kinderbetreuung drücken die Frauen-Pensionen massiv. Viele Frauen sind mit ihrem Alterseinkommen armutsgefährdet.
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Wien – Am Sonntag ist Österreichs „Equal Pension Day“. Das ist jener Tag, an dem Männer heuer bereits so viel Pension am Konto haben, wie Frauen erst bis Jahresende erhalten haben werden. Im Durchschnitt bekommen Männer in Österreich eine monatliche Pension von 2047 Euro, Frauen kommen auf 1196 Euro, rechnet der Städtebund in einer Studie vor. Damit wird den Pensionistinnen jedes Monat 851 Euro oder 41,6 Prozent weniger aufs Konto überwiesen als den Pensionisten.

Tirol steht im Bundesländervergleich schlecht da. Der „Equal Pension Day“ in Tirol war am 21. Juli – die Lücke zwischen Männer- und Frauenpension ist damit höher als im Bundesschnitt. Nur Oberösterreich und Vorarlberg liegen noch schlechter. Die kleinste Lücke wurde für Wien errechnet – hier ist der Equal Pension Day am 6. September.

Vergleicht man die Entwicklung seit 2015, ist Tirol bundesweites Schlusslicht. Denn in den vergangenen sechs Jahren hat sich der „Equal Pension Day“ in Tirol nur um zwei Tage nach hinten verschoben – die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern also nur um zwei Tage „verbessert“. Wien konnte sich dagegen um 16 Tage verbessern.

Für die Pensionslücke machen die Studienautoren mehrere Gründe aus. So haben Frauen im Schnitt zehn Beitragsjahre weniger als Männer, größtenteils verursacht durch Erwerbsunterbrechungen aufgrund von Kinderbetreuung. Frauen haben zwar ein um fünf Jahre niedrigeres gesetzliches Antrittsalter, das tatsächliche Antrittsalter unterscheidet sich aber nur durch zwei Jahre. Männer gingen im Vorjahr durchschnittlich mit 61,3, Frauen mit 59,3 Jahren in Pension. Dazu kommt die Lohnschere, die sich auch in der Pension auswirkt: Frauen verdienen in Österreich in Vollzeit um 18,3 Prozent weniger als Männer. Und Frauen arbeiten oft in schlechter bezahlten Branchen.

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SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner forderte ein Paket. Zunächst sollen Kinderbetreuungszeiten besser angerechnet werden. Statt 110 Euro sollen künftig 160 Euro pro Monat angerechnet werden. Für Frauen, die schon jetzt in Pension sind und Kindererziehungszeiten aufweisen, soll diese Extra-Pension von 50 Euro pro Monat pauschal auf die normale Pension aufgeschlagen werden. Weiters muss der Zugang zur Schwerarbeitspension ab 60 Jahren für Pflegekräfte eingeführt werden, so Holzleitner. Die Abgeordnete bekräftigt zudem die Forderung nach Beibehaltung der abschlagsfreien Pensionen nach 45 Arbeitsjahren.

Für FPÖ-Seniorensprecherin Rosa Ecker sollte Frauen „generell eine Mindestpension zustehen, wenn sie erwerbstätig waren, und nicht nur eine Mindestpension gemeinsam mit dem Ehemann“.

Grünen-Frauensprecherin Meri Disoski und Seniorensprecherin Bedrana Ribo forderten Lohntransparenz, faire Arbeitsbedingungen bis zum Pensionsantrittsalter, hochwertige Kinderbetreuung und eine faire Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern.

Die Bundesfrauenvorsitzende der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE), Klaudia Frieben, kritisierte, dass bei den Pensionsreformen der vergangenen Jahre die Situation von Frauen unzureichend berücksichtigt wurde.

Mit einer Durchschnittspension von 1196 Euro seien Frauen armutsgefährdet, kritisiert Pensionistenverbands-Präsident Peter Kostelka. Die Armutsgefährdungsschwelle betrage für einen Einpersonenhaushalt 1328 Euro monatlich. Der rote Pensionistenverband fordert eine höhere Pensionsanpassung für das Jahr 2022. (mas, APA)


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