Herbergssuche mit Happy End: Raiders wollen heute Heim-Triumph feiern

Nach langem Hin und Her steigt die Austrian Bowl XXXVI heute am Innsbrucker Tivoli (19 Uhr). Im ewig jungen Duell zwischen Vienna Vikings und Swarco Raiders steht einmal mehr viel auf dem Spiel.

  • Artikel
  • Diskussion
2019 durften die Swarco Raiders ihre bis dato letzte Austrian Bowl bejubeln – auch heute soll es im Tivoli wieder Grund zum Feiern geben.
© gepa

Von Alois Moser

Innsbruck – „Das war echt eine Herbergssuche“, konnte Christoph Seyrl, seines Zeichens Generalsekretär des Österreichischen American-Football-Verbands AFBÖ, gestern schon wieder über die stressigen letzten Wochen schmunzeln. „Es ist vollbracht“, hätte er noch hinzufügen können – und angesichts des Zeitdrucks nach der kurzfristigen Absage der Austrian Bowl und der anschließenden Verlegung ins Innsbrucker Tivoli wäre es nicht übertrieben gewesen.

Doch der Reihe nach: Das wie in den letzten Jahren in St. Pölten angesetzte Endspiel der Österreichischen Football Liga (AFL) musste kurzfristig aus der NV-Arena weichen, weil der Rasen unbespielbar war. „Am Donnerstagabend haben wir die Absage erhalten, und gleich in der Früh haben wir nach einem Ausweichort zu suchen begonnen“, plaudert Seyrl aus dem Nähkästchen. Einige Tage mit noch mehr Absagen später kristallisierte sich das Innsbrucker Tivoli schließlich als Endpunkt der Herbergssuche heraus: „Seit Montag übersiedeln wir nun alles nach Innsbruck.“

Der in Corona-Zeiten besonders aufwändige Genehmigungsprozess sei aufgrund der Unterstützung der offiziellen Stellen ausnehmend schnell gegangen – auch, weil man „auf die bestehenden Covid-Richtlinien der Raiders aufbauen konnte“. Bei den Gastgebern in Person von Paul-Philipp Lasch und Claudia Nuener sowie Olympiaworld-Geschäftsführer Matthias Schipflinger wollte sich Seyrl explizit bedanken: „Ohne ihre tolle und unkomplizierte Hilfe wäre das alles in so kurzer Zeit nicht zu stemmen gewesen.“

Unkompliziert zeigten sich aber auch die Vikings, die statt eines Matchs auf neutralem Boden nun ein Auswärtsspiel in der Höhle des Löwen bestreiten müssen: „Bei den Vikings war man überhaupt froh, dass wir so ein tolles Stadion für die Austrian Bowl gefunden haben.“

Im Vorfeld der Austrian Bowl (19 Uhr, live auf ORF Sport+ und RaidersTV) steigt um 15 Uhr im American Football Zentrum bereits die Silver Bowl (Endspiel Division I) zwischen Salzburg und den Dacia Vikings II. Für beide Spiele gab es gestern noch Tickets, jeweils gesondert als auch als Kombiticket für beide Partien. „Zuletzt hatten wir immer rund 5000 Zuschauer, ich hoffe, dass es heute auch im Tivoli richtig laut wird“, freut sich Seyrl auf das Finale.

Das tun auch die Raiders rund um Kapitän Adrian Platzgummer. Für den Routinier und seine Mitstreiter wird das Finale kein Endspiel wie jedes andere: „Für uns ist es nicht wirklich ein Heimspiel, weil wir als Auswärtsmannschaft geführt werden und damit auch, anders als sonst, die Auswärtssideline und die Auswärtskabinen zugeteilt bekommen.“ Für Platzgummer irgendwie stimmig: „Das passt zu einem Jahr, in dem alles ein wenig anders ist.“ Wie auch, dass die in den letzten Jahren stets erfolgsverwöhnten Raiders bis dato eine für die eigenen Ansprüche durchwachsene Saison gespielt haben: Rücktritte, Verletzungen und Formtiefs bei wichtigen Spielern sorgten dafür, dass die Raiders in der AFL-Abschlusstabelle mit ganzen drei Niederlagen auf Platz zwei landeten. Zusätzlich verloren die Tiroler, wenn auch knapp, das „Finale dahoam“ in der Central European Football League (CEFL) gegen die Schwäbisch Hall Unicorns (GER). Eine Niederlage, die laut Platzgummer immer noch schmerzt: „Es tut weh, ein Finale zu verlieren, und dann noch daheim.“

Diese Scharte gilt es also auszumerzen – und eine noch schmerzvollere Heimniederlage gegen den Erzrivalen aus Wien zu vermeiden: „Die Vikings will man im Tivoli einfach nicht jubeln sehen.“

In den bisherigen drei Saisonduellen konnten beide Teams schon gewinnen, man kennt sich in- und auswendig – trotzdem sind die Spiele gegen die Vikings seit vielen Jahren stets Highlights und hart umkämpft: „Es nutzt sich nie ab, gegen die Vikings zu spielen.“

Wenn die Wetterprognosen für heute zutreffen, bekommt das heiße Duell wahrscheinlich Abkühlung von oben. Platzgummer irritiert das nicht: „Wir haben heuer schon öfters bei schlechtem Wetter gespielt und sind auf alles vorbereitet.“

Neben dem nach eigener Aussage „wieder topfitten“ Platzgummer und Receiver Marco Schneider, der gerade zum besten Youngster der AFL-Saison gekürt worden ist, verstärkt auch der lange verletzte Runningback Tobias Bonatti heute wieder die Offensive der Raiders. Mit Defensive Back Vincent Müller ist ein weiterer Unterschiedspieler rechtzeitig fit geworden. Kapitän Platzgummer sah im Vorfeld keinen Grund, das vor dem Gegner geheim zu halten: „Die Vikings sollen ruhig wissen, was sie erwartet.“ Die Lunte ist jedenfalls gelegt für einen Finalkracher am Innsbrucker Tivoli.


Kommentieren


Schlagworte