EQS: Eine neue Ära bei Mercedes beginnt

Im Herbst startet bei Mercedes mit dem EQS ein komplett neues Elektro-Modell. Die Schwaben sprechen von einer „neuen Ära“ und wollen sich an die Spitze der Fahrzeuge mit alternativen Antrieben setzen.

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Unter der traditionell gestalteten Haut des EQS steckt ein Elektrofahrzeug der Superlative. Komforteigenschaften der S-Klasse vereinen sich mit einem Technikfeuerwerk, das bis 780 Kilometer Reichweite bringen soll.
© Hersteller

Von Franz Farkas

Zürich – Ein E-Auto der Luxusklasse, das die Ansprüche des Kunden, die dieser an eine S-Klasse von Mercedes stellt, erfüllt, ist das erklärte Ziel der Schwaben. Um das zu erreichen, wurde erstmals in der Firmengeschichte eine Plattform entwickelt, die nur für diese Antriebsform geschaffen wurde. Diese Electric Vehicle Architecture (EVA), auf der es bald auch eine elektrische Alternative zur E-Klasse sowie zwei große SUV-Modelle geben soll, ist flexibel in Radstand sowie Batteriegröße und kann mit einem Motor für reinen Heckantrieb oder zwei Motoren und Allrad-Traktion bestückt werden.

Im EQS bedeutet das bei einem Radstand von 3,21 Metern eine Batteriekapazität von 107,8 kWh. Damit soll das Elektro-Flaggschiff auf eine Reichweite nach WLTP, zumindest in der Heckantriebsversion EQS 450+ mit einer Leistung von 245 kW/333 PS, von bis zu 780 Kilometern kommen, die stärkere Allradversion EQS 580 4Matic (385 kW/523 PS) soll immerhin 676 Kilometer schaffen. Ein respektabler Wert, der neue Maßstäbe setzen könnte.

Die ersten Eindrücke, die der elektrische Luxusliner bei Testfahrten in der Schweiz hinterlassen hat, scheinen das zu bestätigen. Denn der Verbrauch auf dem Bordcomputer des EQS 580 4Matic wies maximal 20 kWh pro 100 Kilometer aus.

Für diese Energieeffizienz sind viele Faktoren verantwortlich. So etwa ein Aerodynamikbestwert von 0,2 Cw, der im Serienbau einzigartig ist. Zudem gibt es einen intelligenten Wärmetausch zwischen den einzelnen Systemkomponenten. So wird etwa das Getriebe im kalten Zustand von der Abwärme des Akkus aufgewärmt, später die Abwärme für andere Komponenten verwendet.

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Natürlich gehört zur Energieeffizienz auch eine möglichst hohe Ausbeute bei der Rückgewinnung von Energie beim Bremsen und Bergabfahren. Mercedes beziffert diese Rekuperationsleistung für den EQS 450+ auf bis zu 186 kW. Die Topversion EQS 580 4Matic soll Bremsenergie mit bis zu 290 kW in die Batterie zurückspeisen.

Optisch besticht der EQS mit einem Design, das mit dem traditionellen Bild der Marke und der Oberklasse im Allgemeinen bricht. Die Silhouette beschreibt einen Bogen, der wie aus einem Guss wirkt. Dazu kommen ein großer Radstand und kurze Überhänge. Das bedeutet viel Platz auch hinten und einen vor allem für ein E-Auto großen Kofferraum mit einem Stauraum zwischen 610 und 1770 Litern. Andererseits opfern die Schwaben den zusätzlichen Platz im Bug für einen raumgreifenden Hepa-Filter, mit dem sie den EQS-Fahrern die sauberste Luft versprechen, die es bis dato in einem Auto gegeben hat. Selbst Coronaviren bleiben so angeblich draußen. Innen informiert indes über die ganze Fahrbahnbreite ein Hyperscreen. Das MBUX-System lernt selbstständig.

Wirklich beeindruckend ist das Maß an Fahrkultur, wie es bislang allenfalls die Maybach-Versionen der S-Klasse geboten haben. Man fühlt sich wie in einem Kokon, absolute Stille umgibt die Insassen. Aufgrund der Aerodynamik und der umschäumten Antriebskomponenten gibt es so gut wie keine Fahrgeräusche. Dazu kommt eine Luftfederung, die den Eindruck nochmals verstärkt.

Auf den engen Kehren der schweizerischen Alpenpässe kommt auch die Allradlenkung, bei der die Hinterräder um mehr als zehn Grad einschlagen, gut zur Geltung, der Fahrer wähnt sich in einem wesentlich kleineren Wagen als in einem über fünf Meter langen Schlachtschiff.

Für die werte Kundschaft ist der EQS bereits bestellbar, die Markteinführung in Österreich wird im Herbst zu Preisen der herkömmlichen S-Klasse sein.


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