VW Arteon Shooting Brake: Schönheit muss man nicht erben

In der Mittelklasse ist Volkswagen nicht nur mit dem bekannt-bewährten Passat unterwegs, sondern auch mit dem exotischen Arteon, neuerdings zusätzlich als Shooting Brake.

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Was der Passat Variant nicht darf, macht der Arteon Shooting Brake: einem eleganten Heckabschluss gegenüber Laderaummaximum den Vorzug geben.
© Fellner

Von Markus Höscheler

Kaltern – Wenn sich VW an einem Trend versucht, dann geht es mit vorsichtigen Schritten. Im vorigen Jahrzehnt gab es das Bestreben, in der Mittel- und Oberklasse, gefolgt von der Kompaktwagenklasse, sukzessive viertürige Limousinen mit Coupé-Look zu versehen. Die optische Aufwertung versprach mehr Attraktivität, kleinere Stückzahlen, gleichzeitig eine höhere Rendite durch höhere Preise. Mercedes gab mit dem E-Klasse-Ableger CLS den Ton an, ließ später sogar einen Kombi (Shooting Brake) folgen. Nachahmer gab es von der Konkurrenz, auch Volkswagen sprang schließlich auf den Zug auf: Der braven Limousine Passat wurde der Passat CC zur Seite gestellt. Die Emanzipation sollte nicht lange auf sich warten lassen, beim Facelift strich VW die Hauptbezeichnung Passat und beließ es beim CC.

Offenbar war das Management mit der Kundennachfrage zufrieden genug, um einen Nachfolger zu kreieren – und damit war der Arteon geboren. An den Passat erinnern zwar die benutzte Plattform und die verwendete Technik, beim Design konnte sich das Modell jedoch deutlich vom konventionellen Modell abheben. Und mit dem jüngsten Facelift vor einigen Monaten überraschte Volkswagen mit einer zweiten Karosserievariante, dem Kombi Shooting Brake. Er darf das machen, was dem Passat Variant verwehrt bleibt, nämlich mit einem außergewöhnlich schönen Heckabschluss seine Betrachter bezirzen. Genau das gelingt dem Langheckmodell, was zwar gleichzeitig etwas Laderaum kostet, aber wohl für die meisten Interessenten vernachlässigbar ist. Allen Einbußen zum Trotz kann der Arteon Shooting Brake immer noch zwischen 565 und 1632 Liter Stauvolumen anbieten. Das sind zwar Maße, die kompakte, günstigere Standard-Kombis zu einem geringeren Preis im Großen und Ganzen ebenso offerieren – aber wohl keiner kann es so schön verpackt machen wie eben der Arteon Shooting Brake.

Was das Fahren betrifft, so bewegt sich der elegante Kombi, mit Verlaub, erwartungsgemäß wie der Passat Variant: Das Fahrwerk gibt sich keine Blöße, die Lenkung ebenso wenig. Für die Langstrecke empfiehlt sich das Fahrzeug – und so ist es in diesem Zusammenhang schon wohltuend, wenn der eingebaute Zweiliter-Vierzylinder-Turbodiesel über jegliche Reichweitenangst hinweghilft. 200 PS, 400 Newtonmeter Drehmoment und ein voller Tank, der nahezu tausend Kilometer Fahrt an einem Stück erlaubt – das ist im sich ausbreitenden Elektrozeitalter fast schon Luxus. Ganz ohne Elektrifizierung kommt der Arteon Shooting Brake aber angesichts des Klimawandels nicht aus, ein Plug-in-Hybrid-Derivat hat sich mit der Überarbeitung ins Angebot eingeschlichen. Der hier gefahrene Diesel kann sich mit einigermaßen zurückhaltender Laufkultur und einem Testverbrauch von 7,5 Litern je 100 Kilometer bewähren. Dem Allradantrieb zollen wir vollen Respekt, der Siebengang-Doppelkupplung einen leicht eingeschränkten – wegen wiederholter Anfahrschwäche.

Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 1968 ccm

Drehmoment: 400 Nm bei 1750 U/min

Leistung: 147 kW/200 PS

L/B/H: 4866/1871/1462 mm

Gewicht: 1726/2290 kg

Kofferraumvolumen: 565–1632 l

Tankinhalt: 66 l

Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h

0–100 km/h: 7,4 Sekunden

Verbrauch: 7,5 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 76.812,06 Euro

CO2-Emission: 175 g/km


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